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12. Der Hunnen Heranzug. 203

nicht mehr ſind, damit man erkenne, daß Gott über Iſ⸗-
rael herrſche bis an die Grenzen der Erde, Sela...
„Soweit hatte Burkard des Kampfes Verlauf mit an—
geſchaut, dann wandte er ſich zur Flucht. Da wurden wir

s in der Waldburg ſehr betrübt und ſchickten noch in der

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Nacht eine Schar aus, nach dem blinden Thieto zu ſchauen.
Es war ſtill auf dem Hügel der Klausnerinnen, wie ſie
heranſchlichen; der Mond leuchtete auf die Körper erſchla—
gener Hunnen, da fanden die Brüder...“
Ein lautes Schluchzen unterbrach den Erzähler. Pra—
xedis hielt ſich mühſam an der Herzogin Lehnſtuhl und
weinte bitterlich.
„.. Da fanden ſie“, fuhr der Abt fort, „des Romeias
verſtümmelten Leichnam; ſein Haupt hatten die Feinde
abgehauen und mitgeſchleppt, er lag auf ſeinem Schild,
den welken Strauß, ſeine Helmzier, krampfhaft geballt in
der Rechten. Gott hab' ihn ſelig: wes Leib mit Treuen
ein Ende nimmt, ein ſolcher dem Himmelreich geziemt!
An Wiborads Laden klopften ſie vergeblich, die Ziegel
am Dach ihrer Klauſe waren zertrümmert, da ſtieg einer

„aufs Dach und ſchaute hinab, vor dem kleinen Altar der

Zelle lag die Klausnerin in ihrem Blut, drei Schwert—
hiebe klafften auf dem Scheitel, der Herr hat ſie gewürdigt,
unter den Streichen der Heiden des Martyriums Krone
zu erringen.“
Die Anweſenden ſchwiegen bewegt. Auch Frau Had-
wig war gerührt.
„Ich hab' Euch der Seligen Schleier mitgebracht“,

ſprach Cralo, „geweiht vom Blut ihrer Wunden, Ihr mögt

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ihn in der Kapelle der Burg aufhängen. Nur Thieto,
der Blinde, war unverletzt geblieben: unentdeckt vom
Feind ſchlummerte er in der Klauſe am Fels. Ich hab
geträumt, es ſei ein ewiger Friede über die Welt ge—
kommen', ſprach er zu den Brüdern, wie ſie ihn weckten.
„Aber im abgelegenen Sittertal blieb's nimmer lang
ſtill; die Hunnen fanden den Weg zu uns: das war ein
Schwärmen und Pfeifen und Grunzen, wie's der Tann-
wald noch nie gehört. Unſere Mauern waren feſt und


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