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13. Heribald und ſeine Gäſte. 207

ruhen mehr geworden. Ruhe iſt der Seele größte Fein-
din! hatte Sankt Benedikt geſagt und darum ſeinen
Schülern ſtreng vorgeſchrieben, die Stunden des Tages,
die nicht der Andacht galten, mit Arbeit der Hände aus-
zufüllen. Heribald war keiner Kunſt oder Handwerks-
griffe kundig, darum hatten ſie ihn zum Holzſpalten und
ähnlich nutzbringender Tätigkeit angehalten — jetzt aber
ſchritt er, die Arme gekreuzt, an den aufgebeugten Schei⸗
tern vorüber und ſchaute lächelnd nach einem Kloſterfen—
ſter hinauf: „So komm doch herunter, Vater Rudimann!“
rief er, „und halte den Heribald zum Holzhauen an! Du
haſt ja ſo trefflich Aufſicht gehalten über die Brüder und
den Heribald ſo oft einen unnützen Knecht Gottes ge—
ſcholten, wenn er den Wolken nachſchaute, ſtatt die Axt
zu führen, warum tuſt du nicht, was deines Amtes?“
Kein Echo gab dem Blödſinnigen Antwort; da zog er
von den Scheitern der unterſten einige heraus, raſſelnd
ſtürzte die hochgeſchichtete Beuge zuſammen: „Fallet nur“,

fuhr er im Selbſtgeſpräch fort, „Heribald macht Feiertag

heut und ſetzt nichts wieder auf. Der Abt iſt durchgegan-
gen, die Brüder ſind durchgegangen, es geſchieht ihnen
recht, wenn alles zuſammenſtürzt.“
Nach ſolch löblicher Verrichtung wandte ſich Heribald
zum Kloſtergarten. Eine anderweite Erwägung beſchäf⸗
tigte ſeinen Geiſt: er gedachte ein paar liebliche Stöcke
Salates zu ſeinem Mittagsmahl zu ſchneiden und ſie
feiner zuzubereiten, als in Anweſenheit des Pater Kü—
chenmeiſter je geſchehen wäre. Lockend malte er ſich die
Arbeit aus, wie er das Olkrüglein ſonder Schonung an—
greifen und der größten Zwiebeln einige mitleidslos zer-
ſchneiden wollte: da wirbelte drüben am weißſandigen
Ufer eine Staubwolke auf, Geſtalten von Roß und Rei—
tern wurden ſichtbar..
„Seid ihr ſchon da?“ ſprach der Mönch und ſchlug ein
Kreuz, ſeine Lippen bewegten ſich zu einem haſtigen Ge—
bete; aber bald lag die gewohnte Miene zufriedenen Lä⸗
chelns wieder auf ſeinem Antlit.
„Fremden Wanderern und Pilgersmännern ſoll am


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