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13. Heribald und ſeine Gäſte. 209

Wie in Stein gehauen ſaß Heribald und ſchaute un—
verzagt den ſeltſamen Geſtalten entgegen. Nachdenken
über vollendete menſchliche Schönheit hatte ihm noch keine
ſchlafloſe Nacht verurſacht, aber was jetzt auf ihn zukam,
deuchte ihn ſo häßlich, daß er ein langgedehntes: „Erbarme
dich unſer, o Herr, nach deiner Barmherzigkeit Größe!“
nicht zu unterdrücken vermochte.
In den Sattel gebückt ſaßen die fremden Gäſte, aus
Tierfellen das Gewand, hager, dürr und klein die Geſtalt,
viereckig der Schädel, das Haar ſteif ſtruppig herabhän-
gend; gelb glänzte das unfertige Geſicht, als wär' es mit
Talg geſalbt; — der vorderſten einer hatte durch frei⸗-
willigen Einſchnitt ſeinen aufgeworfenen Mund um ein
Erkleckliches nach den Ohren hin verlängert; verdächtig

ſchauten ſie aus den kleinen tiefliegenden Augen in die

Welt hinaus.
Ebenſogut könnt' man ſtatt eines Hunnen einen Lehm⸗
klumpen halb viereckig in den Händen formen, etwas wie
eine Naſe dran aufſtülpen und das Kinn einſchlagen,
dachte Heribald: da ſtanden ſie vor ihm. Er verſtand ihre
ziſchende Sprache nicht und lächelte ruhig, als ging' ihn
die ganze Bande nichts an. Sie ſtarrten eine Zeitlang
verwundert auf den närriſchen Geſellen, wie die Männer
kritiſchen Handwerks auf einen neuen Poeten, von dem
ihnen noch nicht klar, in welchem Schubfach vorrätiger
Urteile ſie ihn unterbringen ſollen. Itzt erſchaute einer
die kahlgeſchorene Stelle auf Heribalds Haupt und deutete
mit dem krummen Säͤbel drauf hin, ſie erhoben ein grin-
ſendes Gelächter, einer griff nach Bogen und Pfeil und
legte auf den Mönch an, da ging Heribalds Geduld aus,
ein Anflug germaniſchen Stolzes gegenüber ſolchem Ge—
ſindel kam über ihn: „Bei der Tonſur des heiligen Bene—
dikt“, rief er aufſpringend, „die Krone meines Hauptes
ſoll kein Heidenhund läſtern!“ er fiel dem vorderſten in
die Zügel, riß ihm den krummen Säbel von der Seite,
kampfbereit wollte er ſich aufpflanzen.. aber ſchneller
denn der Blitz hatte ihm der Hunnen einer eine ſtarke
Schlinge übers Haupt geworfen und riß ihn nieder; ſie
Scheffel. II. 14


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