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212 Ektehard.

geworden, ohne zu wiſſen warum: wen ſie gern hatte,
den ſtreichelte ſie, wer ihr mißfiel, den biß ſie in den Arm.
Botund, der alte Hunnenwachtmeiſter, hatte ſie geliebt,
Irkund, der junge, ſchlug den Botund wegen des Heide—
blümleins tot, aber wie Irkund ſich ihrer Liebe erfreuen
wollt', kam Zobolſu und tat ihm mit ſpitzer Lanze den—
ſelben Dienſt, den Irkund dem Botund ohne ſein An—
ſuchen erwieſen — ſo waren Ericas Schickſale mannigfalt,
neue Wege, neue Laänder, neue Liebe, aber ſie war dem
Reitertrupp zugewachſen, als wär' ſie ſein guter Geiſt,
und ſtund in abergläubiſcher Verehrung — „ſolang' die
Heideblume bei uns blüht, beſiegen wir die Welt“, ſpra⸗
chen die Hunnen, „vorwärts!“
Bei der Kloſterpforte lag indes Heribald, der Ge—
knebelte. Seine Betrachtungen waren traurig, eine große
Stechfliege ſummte um ſein Haupt, mit auf den Rücken
gebundenen Händen vermochte er nicht ihr zu wehren.
Heribald hat ſich würdig betragen, dachte er, wie ein alter
Römer iſt er dageſeſſen, den Feind zu empfangen, jetzt
liegt er geknebelt auf dem Pflaſter und die Fliege ſitzt
ungeſcheut auf ſeiner Naſe: das iſt der Lohn für das Wür⸗
dige! Heribald wird zeitlebens nimmer würdig ſein!
Unter Stachelſchweinen iſt Würde ein gar überflüſſig
Ding!
Wie ein Waldbach bei gehobener Schleuſe wälzte ſich
jetzt der Hunnenzug in den Kloſterhof.
Da ward's dem guten Heribald nimmer ganz geheuer:
„O. Camerarius!“ fuhr er in ſeinen Betrachtungen fort —
„und weigerſt du mir das nächſtemal außer dem Schuh—
leder auch noch Hemd und Kutte, ſo flieh' ich doch, ein
nackter Mann, von dannen.“

Die vom Vortrab traten zu Ellak und meldeten, wie

ſie den einſamen Mönch getroffen. Er winkte, ihn beizu⸗—
bringen, da löſten ſie ihm den Strick, ſtellten ihn aufrecht
in den Hof und deuteten durch Fauſtſchläge die Richtung
nach dem Anführer. Langſam ſchritt der Unglückliche vor⸗
wärts, er ſtieß ein unwillig Murren aus.
Ein unſäglich ſpöttiſcher Zug flog über des Hunnen-

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