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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0219
21¹⁸ lehard.

Droben im Hofe hub ſich ein wilder Lärm; etliche hatten
die Kirche durchſucht, auch eine Grabplatte aufgehoben,
da ſchaute ein verwitterter Schädel aus dunkler Kutte zu
ihnen empor: das ſchreckte ſelbſt die Hunnen zurück. Zwei
von den Geſellen ſtiegen auf den Kirchturm, deſſen Spitze
nach herkömmlichem Brauch ein vergoldeter Wetterhahn
zierte. Mochten ſie ihn für den Schutzgott des Kloſters
oder für echtes Gold halten, ſie kletterten auf das Turm—
dach, verwegen ſaßen die zwei Geſtalten oben und ſtachen
mit ihren Lanzen nach dem Hahn. .da faßte ſie plötz—
licher Schwindel, den gehobenen Arm ließ einer ſinken —
ein Schwanken — ein Schrei, er ſtürzte herab, der andere
ihm nach, gebrochenen Genickes lagen ſie im Kloſterhof's.
„Schlimm Vorzeichen!“ ſprach Ellak für ſich. Die
Hunnen ſchrieen auf; doch nach wenig Augenblicken war
der Unfall wieder vergeſſen, das Schwert hatte ſchon ſo
manchen von ſeiner Genoſſen Seite gerafft, was war an
zwei mehr oder weniger gelegen?ꝰ
Sie trugen die Leichname in Kloſtergarten. Aus den
Holzſtämmen, die Heribald in der Frühe umgeworfen,
ward ein Scheiterhaufe geſchichtet; aus des Kloſters Bü—
cherei waren die übriggebliebenen Codices in Hof herunter-
geworfen worden, die brachten ſie als nützlichen Brand⸗
ſtoff herbei und füllten damit die Lücken am Holzſtoße.
Ellak und Hornebog ſchritten durch die Reihen. Ein—
geklemmt zwiſchen den Scheitern, ſchaute eine ſauber ge⸗
ſchriebene Handſchrift betrüblich herfür, die goldenen Ini—
tialen glänzten an den umgeknickten Blättern. Da zog
Hornebog ſein krummes Schwert und ſtach das Perga—

ment heraus: auf der Spitze der Klinge hielt er's ſeinem

Gefährten entgegen.

„Zu was die Haken und Hühnerfüße, Herr Bruder?“

ſprach er.
Ellak nahm das geſpießte Buch und blätterte drin,

er war auch des Lateiniſchen kundig.
„Abendländiſche Weisheit!“ ſprach er. „Einer namens
Boẽthius hat's geſchrieben; es ſtehen ſchoͤne Sachen drin
vom Troſt der Philoſophie.“

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