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225 Erehrb.
lockig Haar, ein Zug von Milde und Wehmut lag über
ihrem ſtrengen Antlitz — Ekkehard hatte vor dem Namen
des heiligen Kreuzes ſein Knie gebeugt, itzt war's ihm,
als müſſe er ſich ein zweitesmal niederwerfen, nieder—
werfen vor ihr, die ſo huldvoll ſeiner gedachte. Auf—
keimende Neigung braucht Zeit, ſich über ſich ſelbſt klar
zu werden, und in Dingen der Liebe hatte er nicht rech—
nen und abzählen gelernt wie in den Versmaßen des
Virgilius, ſonſt hätte er ſich ſagen mögen, daß, wer ihn
aus des Kloſters Stille zu ſich gezogen, wer an jenem
Abend auf Hohenkrähen, wer am Morgen der Schlacht ſo
vor ihm ſtand, wie Frau Hadwig, itzt wohl ein Wort aus
der Tiefe des Herzens, vielleicht mehr als ein Wort von
ihm erwarten mochte.
Seine Gedanken jagten ſich, alle Pulſe ſchlugen.
Wenn früher etwas wie Liebe ſich in ihm geregt, ſo
war die Ehrfurcht vor ſeiner Gebieterin herangetreten,
es zurückjagend wie der Sturm, der dem ſcheu zum Dach⸗-
fenſter herausſchauenden Kind den Laden vor der Naſe
zuwirft. An die Ehrfurcht dachte er jetzt nicht, eher daran,
wie er die Herzogin einſt mit keckem Arm durch den Kloſter⸗
hof getragen. Auch an ſein Mönchsgelübde dachte er
nimmer, es regte ſich in ihm, als ſollt' er ihr in die Arme
fliegen und ſie jauchzend ans Herz preſſen — Herrn Burk—-
hards Schwert brannte ihm an der Seite. Wirf ab die
Scheu, dem Kühnen gehört die Welt! War's nicht ſo in
Frau Hadwigs Augen zu leſen?
Er ſtand auf, ſtark, groß, frei — ſo hatte ſie ihn noch
nie geſehen... Aber es war nur eine Sekunde, noch war
kein Laut vom Sturm des Herzens über die Lippen ge—
flohen, da fiel ſein Blick auf das dunkle Kreuz von Eben-
holz, das Vincentius einſt in ſeiner Turmſtube aufgehängt:
„Es iſt der Tag des Herrn, und du ſollſt heute reden vor
dem Volk!“ — die Erinnerung an ſeine Pflicht ſchlug alles
nieder...
Es kam einmal ein Froſt am Sommermorgen und
Halm und Blatt und Blüten wurden ſchwarz, bevor die
Sonne drüber auffingg
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