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14. Die Hunnenſchlacht. 229
das iſt uns Bürgſchaft und Gewähr des Sieges, ſo wir
ſündegeläutert ausziehen zum Kampf. Laſſet ſie an—
ſtürmen auf ihren ſchnellen Roſſen, was verficht's? Zu
Söhnen der Hölle hat ſie der Herr geſtempelt, darum iſt
ihr Antlitz nur die Fratze von eines Menſchen Antlitz, die
Ernte unſerer Felder können ſie niedertreten und die Al⸗
täre unſerer Kirchen ſchänden, aber den Arm gottesmuti-
ger Männer können ſie nicht beſtehen.
„Seid eingedenk alſo, daß wir Schwaben allezeit vor—
fechten s⸗ müſſen, wo um des Reiches Not geſtritten wird;
wenn es in andern Zeiten ein Greuel vor dem Herrn
wäre, an ſeinem Feiertag den Harniſch umzuſchnallen, —
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heute ſegnet er unſere Waffen und ſendet ſeine Heiligen
zum Beiſtand und ſtreitet ſelber mit uns, er, der Herr der
Heerſcharen, der den Blitz vom Himmel ſchmetternd nie-
derfahren heißt und die klaffenden Abgründe der Tiefe
auftut, wenn die Stunde der Erfüllung gekommen.“
Mit erleſenen Beiſpielen ruhmreicher Kämpfe feuerte
dann Ekkehard ſeine Zuhörer an, und manche Fauſt preßte
den Speer und mancher Fuß hob ſich ungeduldig zum
Abzug, wie er von JFoſuas Heerzug ſprach, der unter des
Herren Schirm einunddreißig Könige ſchlug in der Land—
mark jenſeits des Fordan, — und von Gideon, der beim
Schall der Poſaunen ins Lager der Midianiter brach und
ſie jagte bis Bethſeda und Tebbath — und vom Ausfall
der Männer von Bethulia, die nach Fudiths ruhmreicher
Tat die Aſſyrer ſchlugen mit der Schärfe des Schwerts.
Zum Schluß aber rief er, was Judas, der Makkabäer,
zu ſeinem Volk gerufen, da ſie bei Emaus ihr Lager
ſchlugen wider des Antiochus Heer: „Umgürtet euch drum
und ſeid tapfere Männer und ſeid bereit, gegen den Mor-
gen früh wider die Völker zu ſtreiten, die heranziehen,
unſer Heiligtum auszutilgen, denn es iſt uns beſſer, im
Streit umzukommen, als das Elend ſehen an unſerm
Heiligtum — Amen!“
Eines Augenblickes Länge blieb's ſtill, wie er geendet;
dann hob ſich ein Klirren und Klingen, ſie ſchlugen Schwert
und Schild aneinand, hoben die Speere hoch und ſchwenk⸗
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