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14. Die Hunnenſchlacht. 231
ordnete Simon Bardo die Scharen ſeiner Streiter. Hei!
wie wohlig war's dem alten Feldhauptmann, daß ſtatt
der Kutte wieder der gewohnte Panzer ſich um die nar—
benbedeckte Bruſt ſchmiegte. In fremdartig geformter,
ſpitz zugehender Stahlkappe kam er geritten, ſein breiter,
edelſteingeſchmückter Gürtel und der güldene Knauf des
Schwertes zeigten den ehemaligen Heerführer.
„Ihr leſet die Alten der Grammatika halber“, hatte
er zu den Abten geſagt, die hoch zu Roß bei ihm hielten,
„ich hab' mein Handwerk von ihnen gelernt. Mit Fron—
tinus' und Vegetius'“ guten Ratſchlägen läßt ſich noch
heutigentages was ausrichten. Für den Anfang ſoll's heut
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mit der Schlachtordnung der römiſchen Legionen erprobt
ſein, dabei läßt ſich am beſten abwarten, wie ſich der
Feind zu erkennen gibt. Wir können dann noch immer
tun, wie wir wollen, die Sache geht nicht in einer halben
Stunde zu End'.“
Er hieß die leichte Mannſchaft der Bogenſchützen und
Schleuderer vorausrücken; ſie ſollten den Waldſaum be—
ſetzen, vom Tannendickicht gegen Reiterangriff geſchützt.
„Zielt nieder!“ ſprach er, „wenn ihr auch ſtatt des Mannes
das Roß trefft,'s iſt immer etwas!“
Beim Klang der Waldhörner ſchwärmte die Schar
vorwärts, noch war kein Feind zu ſehen.
Die Männer des Aufgebots ordnete er in zwei Heer⸗
ſäulen; dichtgeſchloſſen, den Speer gefällt und langſam
rückten ſie vor, von der vordern Säule zur zweiten ein
Abſtand weniger Schritte. Der von Randegg und der
dürre Fridinger führten ſie.
Die Mönche hieß er zu einem Haufen zuſammentreten
und ſtellte ſie in die Rückhut.
„Warum das?“ fragte der Abt Wazmann; er kränkte
ſich, daß ihnen nicht die Ehre des vorderſten Angriffs zu—
geteilt ward.
Da lächelte der Kriegserfahrene. „Das ſind meine
Triarier“**, ſprach er; „nicht, weil altgediente Soldaten,
* Römiſche Kriegsſchriftſteller des 1. und 5. Jahrhunderts. — ** Das
aus den erfahrenſten Soldaten beſtehende dritte Treffen.
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