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14. Die Hunnenſchlacht. 235
ſtanden die Reihen. FJetzt warf ſich noch ein jeglicher ins
Knie, griff eine Scholle vom Boden auf und ſtreute ſie
rückwärts über ſein Haupt, daß es geweiht und gefeit ſei
durch die vaterländiſche Erdeis, — dann ging's in Kampf.
s Die von Sankt Gallen ſtimmten den frommen Schlacht⸗
geſang „Media vita“ an. Notker, der Stammler, war
dereinſt durch die Schluchten beim heimiſchen Martins-
tobel geſtiegen, ſie wölbten einen Brückenbogen herüber,
über ſchwindelnder Tiefe ſchwebten die Bauleute, da
10 ſtand es als Bild vor ſeiner Seele, wie zu unſerem Leben
jeden Augenblickes des Todes Abgrund aufgähnt, und er
dichtete das Lied. FJetzt galt's als Zauberſang, Schirm
eigenen Lebens, Untergang dem Feinde.
Dumpf klang's von den anrückenden Männern in die
156 Hunnenſchlacht:
„Achy unſer Leben iſt nur ein halbes Leben!
Des Todes Boten ſtändig uns umſchweben.
Wen mögen wir als Helfer uns erflehen,
Als dich, o Herr! den Richter der Vergehen?
20 Heiliger Gott!“
und vom andern Flügel ſangen die Reichenauer Mönche
entgegen:
„Dein harrten unſre VBäter ſchon mit Sehnen,
Unrnd du erlöſteſt ſie von ihren Tränen,
25⁵ Zu dir hinauf erging ihr Schrei'n und Rufen,
Du warfſt ſie nicht von deines Thrones Stufen
Starker Gott!“
und von rechts und links klang's zuſammen — ſchon tönte
Schwerthieb und dumpfer Fall Getroffener dazwiſchen:
30 HUmeVerlaß uns nicht, wenn Unkraft uns befallen,
Wenn unſer Mut entfleucht, ſei Stab uns allen:
O gib uns nicht dem bittern Tod zum Raube,
Barmherz'ger Gott, du unſer Hort und Glaube!
Heiliger Gott, heiliger ſtarker Gott!
35 Heiliger barmherziger Gott, erbarme dich unſer'¹⁸s “
So ſtanden ſie im Handgemeng'. Staunig hatten die
Hunnen die herannahenden dunkeln Scharen erſchaut, Ge—
heul und der ziſchende teufliſche Ruf: „Hui! huiis!“ war
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