Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0244
15. Hadumoth. 243

des hohen Krähen niſteten, waren herübergeflogen, und
die im Tannwald horſteten, auch Moengals Habicht war
dabei, ſie wollten Einſprache erheben, daß die Beerdigung
ſie verkürze. Dumpf dröhnten die Erdſchollen und Kieſel⸗-
geſteine in das weite Grab. Dann kam der Diakon von
Singen mit dem Keſſel geweihten Waſſers, den Geviert-

raum ſchritt er auf und nieder und beſprengte ihn zur

10

15

Bannung der Dämonen und Niederhaltung der fremden
Toten in der fremden Erde.
Ein verwittert Felsſtück war vorzeiten vom Hohen—
twieler Berg abgelöſt zu Tal geſtürzt, das wälzten ſie aufs
Hunnengrab, dann wandten ſie ſich ſchauernd von der
Stätte und richteten das zweite Grab. Das ſollte die ge—
bliebenen Söhne des Landes empfangen. Für die Er—
ſchlagenen geiſtlichen Standes war die Kloſterkirche auf
Reichenau zum Ruheplatz beſtimmt.
Zur ſelben Stunde, i in der geſtrigen Tags der Kampf
begonnen, ſtieg ein düſterer Zug vom hohen Twiel her-
nieder. Es waren die Männer, ſo die Schlacht geſchlagen.
In derſelben Ordnung rückten ſie an, aber ihr Schritt war
langſam und ihre Banner trauerfarben. Auf den Zinnen
der Burg war die ſchwarze Fahne aufgezogen. Auch die
Herzogin ritt mit hernieder, ſtreng und ernſt kleidete ſie
der dunkle Mantel. Die toten Mönche trugen ſie auf
Bahren herzu und ſtellten ſie zu ſeiten des großen Gra-
bes ab, auf daß auch ſie teilnähmen an der letzten Ehre
der Kampfgenoſſen. Wie die Litanei verklungen, trat der
Abt Wazmann ans offene Grab, er rief den ſechsundneun—-
zig, die blaß und ſtill drin geſchichtet lagen, den letzten
Gruß und Dank der Überlebenden hinab: „Ihr Gedächt-
nis ſei geſegnet und ihr Gebein grüne an ſeinem Ort!
Ihr Name bleibe in Ewigkeit und die Ehre der heiligen
Männer komme auf ihre Kinder!“ ſo ſprach er mit den
Worten des Predigers, dann tat er den erſten Erdwurf
hinunter, die Herzogin nach ihm, dann die andern der
Reihe nach. Drauf feierliche Stille. Vom Grab der Brü—
der hinweg wollten die, ſo geſtern vereint geſtritten, aus-
einandergehen; manch hartes Antlitz ward gerührt, Kuß
16 *


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0244