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246 Etkehard.

ſchlag und Backenſtreich geſchädigt, ſo haben ſie's mit dem
Wein wieder gutgemacht — und das tät' keiner von euch.
Nur die Diſziplin fehlt ihnen, und ſich ſtill verhalten in
der Kirche haben ſie auch nicht ganz gelernt.. Er wiſſe
noch manches zum Preis der fremden Gäſte, hat Heri—
bald weiter geſprochen, aber nur im Beichtſtuhl werd'
er's offenbaren ..“
Frau Hadwig war noch nicht zur Heiterkeit geſtimmt.
EGnädig entließ ſie den Boten. Sie gab ihm das geringelte
Panzerhemd und den Schild des erſchlagenen Hunnen—
führers mit, auf daß es in der Kloſterkirche aufgehängt
werde als ewiges Wahrzeichen. Das Schiedsrichteramt
bei Verteilung der Beute war ihr zugewieſen.
Herr Spazzo, deſſen Zunge ſeither nicht müßig war,
ſeine Kriegstaten zu rühmen — und die Zahl der von ihm
Erſchlagenen wuchs mit jeder neuen Erzählung gleich einer
Lawine — ſprach würdig: „Ich habe auch noch ein Beuteſtück
einzuliefern, es iſt meiner gnädigen Herrin beſtimmt.“
Er ſchritt hinab zu den untern Kammern, dort lag
Cappan, ſein Gefangener, auf dem Stroh, ſeine Wunde
war verbunden und nicht gefährlich. „Steh auf, Sohn
des Teufels!“ rief Herr Spazzo und gab ihm einen un—
ſanften Stoß. Der Hunn' erhob ſich und ſchnitt ein zwei⸗—
felhaft Geſicht, er ſchätzte ſeine Lebensdauer auf keine all⸗
zulange Zeit mehr; an einem Krückenſtock hinkte er durch
die Stube. „Vorwärts!“ deutete ihm Herr Spazzo und
führte ihn hinauf. Er marſchierte in den Saal ein. „Halt!“
rief Herr Spazzo. Da ſtand der Unglückliche ſtill und ließ
verwundert ſeine Augen Umſchau halten.

CTeilnehmend beſah Frau Hadwig das fremde Men-

ſchenkind. Auch Praxedis war herbeigekommen: „Schön
iſt Euer Beuteſtück nicht“, hatte ſie zu Herrn Spazzo ge—
ſagt, „aber merkwürdig.“ Die Herzogin faltete ihre Hände:
’ ,Und vor dieſer Nation hat das deutſche Land gezittert!“
ſprach ſie.
„Die Menge ſchuf den Schreck und ihr Zuſammen—
halten“, ſagte der von Randegg, „ſie werden nimmer
wiederkommen.“ L

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