Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0249
248 G Ekkehard.

gebracht, Profeſſor?“ ſprach ſie leicht. „Es ſoll eine ſon⸗
derbare hunniſche Amazone drin herumgetobt haben, ſo
Ihr die gefangen, hätten wir jetzt ein Pärlein.“
„Ekkehard hat an Höheres zu denken als an hunniſche
Frauen“, ſprach die Herzogin in bitterm Ton, „und er
weiß zu ſchweigen wie einer, der ein Gelübde getan. Was
brauchen wir zu erfahren, wie es ihm in der Schlacht er⸗
ging?“
Die ſchneidige Rede kränkte den Ernſten. — Scherz
zu unrechter Zeit wirkt wie Eſſig auf Honigſeim. Er ging
ſchweigend hinaus, holte Herrn Burkhards Schwert, ent-
blößte es ſeiner Scheide und warf's unwillig auf den Tiſch
vor Frau Hadwig. Friſchrote Flecken glänzten feucht auf
der braven Klinge und junge Scharten waren in den Rand
gehauen. „Ob der Schulmeiſter müßig ging“, ſprach er,
„mag der da bezeugen! ich hab' meine Zunge nicht zum
Herold meiner Tat ernannt.“
Die Herzogin war betroffen. Sie trug noch einen Miß⸗
mut auf dem Herzen, es zuckte und drängte, ihm zürnend
Luft zu ſchaffen — aber das Schwert Herrn Burkhards
weckte mannigfache Gedanken, ſie hielt den Groll an ſich
und reichte Ekkehard die Hand.
„Ich wollt' Euch nicht kränken“, ſprach ſie.
Die Milde der Stimme klang ihm vorwurfsvoll, er
zögerte, die dargebotene Rechte zu ergreifen. Schier hätt'
er um Verzeihung gebeten für ſeine Rauheit, aber das
Wort ſtockte ihm; — da ging die Türe des Saales auf,
es ward ihm alles Weitere erſpart.
Hadumoth, das Hirtenkind, trat ein. Schüchtern ſtand
ſie am Eingang, übernächtig und verweint das Antlitz;
ſie getraute ſich nicht zu reden. G
„Was haſt du, arm Kind?“ rief Frau Hadwig. „Komm
näher!“ L
Da ging die Hirtin vorwärts. Sie küßte der Herzogin
Hand. Dann erſah ſie Ekkehard, deſſen geiſtlich Gewand
ihr Scheu einflößte, ſie nahte ſich auch ihm, ſeine Hand
zu küſſen, ſie wollte reden, Schluchzen hemmte die
Stimme.

10

15⁵


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0249