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258 Ekkehard.
Lange noch plauderten die beiden; der Schlummer
floh die Augen der Glücklichen. Der Lärm des Lagers
ſchwieg. Dämmernde Schatten waren über das Tal ge⸗
breitet. Da ſprach Hadumoth: „Ich muß immer und
immer denken, es ſei jene Nacht, wo die Sterne fielen.“
Audifax ſeufzte. „Ich gewinn' meinen Schatz doch
noch“, ſprach er; „ich weiß es.“
Und wieder ſaßen ſie eine Weile, da ſchreckte Audifax
zuſammen, Hadumoth ſpürte das Zittern ſeiner Hand. —
Über dem Rheine auf dunkelm Berggipfel flammte ein
Feuerzeichen auf, es war wie eine Fackel, die ein Mann
in kreiſendem Bogen ſchwingt und in die Lüfte hinaus—
ſchleudert.
„Jetzt iſt's erloſchen!“ ſprach Audifax leis.
„Aber dort!“ ſagte Hadumoth erſchrocken und wies
rückwärts.
Von des Bötzbergs Höhe ſchlug eine Lohe empor und
kreiſte feurig und ſprühte in Funken. Es war dasſelbe
Zeichen. Und drüben auf dem Schwarzwald hub ſich an
dem Platze, wo die Fackel geſchwungen worden, eine hohe
Flamme himmelan und leuchtete durch die ſternloſe Nacht.
Von der Wache im Tal draußen ſcholl ein gellender Pfiff.
Im Lager regte ſich's. Die Waldfrau kam herein. „Was
träumſt du noch, Bub'!“ rief ſie drohend, „ſchirr' unſer
Geſpann und rüſte das Saumroß!“
Schweigend gehorchte Audifax.
Der Wagen ſtand geſchirrt, das Saumroß an den Pfahl
gebunden; vorſichtig ſchlich die Alte heran und hing ihm
zwei Körbe um und trug zwei Truhen herzu, die packte ſie
in die Körbe und tat Heu drüber. Sie ſpähte lauernd hin⸗
aus. Es war wieder ſtill. Der Fricktaler Wein ſchaffte
den Hunnen einen feſten Schlaf.
„Es iſt nichts!“ brummte die Waldfrau, „wir können
die Gäule wieder zur Ruhe bringen.“ Da fuhr ſie auf wie
geblendet. Der Berg über dem Lager war lebendig ge—
worden, es blitzte und ſprühte von viel hundert Fackeln
und Feuerbränden’ und donnerte mit wütendem
Schlachtruf dazwiſchen, — vom Rhein her wälzten ſich
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