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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0264
16. Cappan wird verheiratet. 263

übliche Verwünſchung nicht: „So ſich einer vermeſſen
ſollt'“, hieß es, „die Schenkung anzuzweifeln oder gar
dem Kloſter zu entziehen, über den ſei Anathema Mara-
natha geſprochen, der Zorn des Allmächtigen und aller
5 heiligen Engel treffe ihn, mit Ausſatz werde er geſchlagen
wie Naëmann, der Syrer, mit Gicht und Tod wie Ana⸗
nias und Sapphira, und ein Pfund Goldes zahle er zur
Sühne des Frevels dem Fiskus 9s.“
„Der Herr Abt hat ſeiner gnädigen Herrin die Mühe
10 ſparen wollen, den Schenkbrief ſelbſt aufzuſetzen“, —
ſprach der Subprior, „es iſt freier Raum gelaſſen, Namen
und Grenzen des Gutes einzutragen, die Unterſchriften
der Parteien und Zeugen beizufügen, die Sigille dran—
zuhängen.“
16s „AWiſſet ihr euch bei allen Geſchäften ſo zu ſputen?“
erwiderte Frau Hadwig. „Ich werd' mir euer Pergament
bei Gelegenheit anſehen.“
„Es wäre dem Abte ein liebſam und erwünſcht Ding,
ſo ich ihm heute ſchon die Schrift von Euch gezeichnet und
20 geſiegelt zurückbringen könnte. ‚Es iſt wegen der Ordnung
im Kloſterarchiv', hat er geſagt.“
Frau Hadwig ſchaute den Mann von oben herab an.
„Sagt Euerm Abt“, ſprach ſie, „daß ich eben die Rechnung
ſtellen laſſe, um wie viel der Brüder Einlagerung auf dem
25 hohen Twiel mich an Küche und Keller geſchädigt. Sagt
ihm außerdem, daß wir unſere eigenen Schreibverſtän—
digen haben, ſo es uns zu Sinne kommt, Hofgüter am
Rhein zu verſchenken, und daß..“
Es lagen ihr noch etliche bittere Worte auf der Zunge.
30 Der Subprior fiel beſchwichtigend ein und gedachte, eine
Reihe von Fällen aufzuzählen, wo erleuchtete Herren und
Fürſten desgleichen getan, — wie die Könige in Francien
drüben dem heiligen Martinus von Tours reichlichſt den
Schaden erſetzt, den er durch der Normänner Plünderung
35 erlitten, und wie erklecklich durch ſolche Schenkung dem
Heil der Seele Vorſchub geleiſtet ſei, denn wie das Feuer
durchs Waſſer gelöſcht werde, ſo die Sünde durchs Al—
moſen ...


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