Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0265
264 Ekkehard.

Die Herzogin wandte ihm den Rücken und ließ ihn
ſamt ſeinen unerzählten Beiſpielen im Saale ſtehen. „Zu⸗
viel Eifer iſt vom Übel!“ murmelte der Mönch; „langſam
gefahren, ſicher gefahren 1“ Da wandte ſich Frau Hadwig
noch einmal. Es war eine unbeſchreibliche Handbewegung,
mit der ſie ſprach: „Wollet Ihr mich verlaſſen, ſo gehet
auch gleich und ganz!“
Er trat ſeinen Rückzug an.
Den Abt zu ärgern, überſandte ſie noch desſelben
Tages dem greiſen Simon Bardo für glückliche Lenkung
der Schlacht eine güldene Kette.
Ein Mann, mit deſſen Schickſal ſich die Herzogin gern
beſchäftigte, war der gefangene Hunne Cappan. Der hatte
anfangs böſe Tage durchlebt; es war ihm noch nicht klar,
warum man ihn am Leben gelaſſen, er lief ſcheu umher
wie einer, der kein Recht auf ſich ſelber mehr hat, und wenn
er auf ſeinem Strohlager ſchlummerte, kamen ſchöne
Träume über ihn!: Da ſah er weite blumige Gefilde, aus
denen wuchſen Galgen ohne Zahl wie Diſteln in die Höhe,
und an jedem hing einer ſeiner Landsleute, und am höch—
ſten hing er ſelber und fand's ganz in der Ordnung, daß
er dran hing, denn das war das Los Kriegsgefangener in
ſelben Tagenn. Es ward aber keiner für ihn errichtet.

Noch etliche Zeit ſchaute er mißtrauiſch auf die Linde im

Burghof, die hatte einen ſtattlichen kahlen Aſt und es
deuchte ihm oftmals, als winke ihm der Aſt herauf. und
ſage: „Hei! wie taugteſt du, mich zu ſchmücken!“
Allmählich fand er jedoch, daß die Linde ein ſchöner
ſchattiger Baum ſei, und ward zutraulicher. Sein durch—
ſtochener Fuß heilte, er trieb ſich in Hof und Küche herum
und ſchaute mit ſtumpfer Verwunderung in das Getrieb
deutſchen Hausweſens. Er vermeinte zwar auf hunniſch,
eines Mannes Heimat ſolle der Rücken des Roſſes ſein
und für Weib und Kind genüge ein fellumhangener Wa—
gen, aber wenn's regnete oder die Abendkühle kam, ſchien
ihm das Herdfeuer und die vier Wände nicht zu verachten,
ein Trunk Wein beſſer als Stutenmilch und ein wollenes
Wams weicher als ein Wolfspelz. So ſchwand die Sehn⸗-

20

30⁰

35


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0265