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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0271
270 Ektehard.

dann zogen ihn die Taufpaten herauf und hüllten den
Zitternden in ein blendend linnen Gewand. Vergnüglich
ſtand er unter ſeinen neuen Brüdern. Ekkehard hielt eine
Anſprache nach den Worten der Schrift: „Der iſt ſelig,
welcher ſein Gewand treu behütet, damit er nicht nackend
gehe?n“ und mahnte ihn, daß er von nun an das makel⸗
loſe Linnen trage als Gewand der Wiedergeburt in Recht-
ſchaffenheit und Güte, wie es die Taufe ihm verliehen, —
und legte ihm die Hände auf. Mit ſchallendem Lobſang
führten ſie den Neubekehrten zur Burg zurück.
In der gewölbten Fenſterniſche eines Gemachs im
Erdgeſchoß ſaß indeſſen Friderun, die lange. Praxedis
huſchte auf und ab wie ein unſtetes Frrlicht; ſie hatte ſich's
von der Herzogin erbeten, die ungeſchlachte Braut zu
ihrem Ehrentag zu ſchmücken. Schon waren die Haare
eingeflochten in rote Stränge von Garn, der unendlich
faltenreiche Schurz wallte bis zu den hochabſätzigen
Schuhen, drüber prangte der dunkle Schappelgürtel mit
ſeiner güldfadenen Einfaſſung — nur wer die Braut er-
ſtreitet, darf ihn löſen — jetzt griff Praxedis die glitzernde
glasperlenbehängte Krone voll farbiger Steine und Flitter⸗
gold: „Heilige Mutter Gottes von Byzanzium!“ rief ſie,
„muß das auch noch aufgeſteckt werden? Wenn du mit
dem Kopfſchmuck einherſchreiteſt, Friderun, werden ſie in
der Ferne glauben, es ſei ein Feſtungsturm lebendig ge—
worden und wandle zur Trauung.“
„Es muß ſein!“ ſprach Friderun.
„Warum muß es ſein?“ fragte die Griechin. „Ich
hab' daheim manch ſchmucke Braut geſehen, die trug den
Myrtenkranz oder den ſilbergrünen Olivenzweig in den
Locken, und es war gut ſo. Freilich in euren harzigen rußi⸗
gen ſchwärzlichen Tannenwäldern wächſt nicht Myrte und
nicht Olive, aber Efen wär' auch ſchön, Friderun?“
Die drehte ſich zürnend im Stuhl. „Lieber ledig
bleiben“, ſprach ſie, „als mit Blatt und Gras im Haar
zur Kirche gehn. Das mögt Ihr hergelaufenem Volk ra⸗
ten, aber wenn ein Hegauer Kind Hochzeit macht, muß
die Schappelkrone ſein Haupt ſchmücken, das gilt von jeher,

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