Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0274
10

15

20

16. Cappan wird verheiratet. 273

An Fauchzen und Jubelruf ließen es die Geleits—
männer nicht fehlen; dem Cappan aber war's zu Sinn,
als hätten die Fluten der Taufe in früher Morgenſtund
alle Erinnerung weggeſpült, daß er je ſtreifend und ſchwei⸗

fend ein Roß getummelt, er ſchritt ehrſam und bürgerlich

mit Schwägern und Schwiegern, als wär' er von Jugend
ein Fronvogt oder Schultheiß im Hegau geweſen.
Noch war der Lärm der bergab Ziehenden nicht ver-
klungen, da traten zwei ſchmucke Burſche vor die Herzogin
und ihre klöſterlichen Gäſte, des Schaffners auf der kaiſer⸗
lichen Burg Bodmann Söhne und Frideruns Gevattern.
Sie kamen als Hochzeitbitter, jeder eine gelbe Schlüſſel⸗
blume hinters Ohr geſteckt und einen Strauß am zwil⸗
chenen Gewand.
Verlegen blieben ſie unter des Saales Eingang ſtehen,
die Herzogin winkte, da traten ſie etliche Schritte vor, dann

noch etliche, und ſcharrten eine Verbeugung und ſprachen

den altherkömmlichen Ladſpruch zum Ehrentag ihrer Baſe
und baten, ihnen hinüberzufolgen über Weg und Steg,
über Gaſſen und Straßen, Brück' und Waſſer zum Hoch—
zeitshaus; dort werd' man auftragen ein Kraut und Brot,
wie ſelbes geſchaffen der allmächtige Gott, ein Faß werd'
rinnen und Geigen drein klingen, ein Tanzen und Sprin—
gen, Jubilieren und Singen. „Wir bitten Euch, laßt zwei
ſchlechte Boten ſein für einen guten, gelobt ſei Feſus
Chriſt!“ ſo ſchloß ihr Spruch, und ohne den Beſcheid zu
erwarten, ſcharrten ſie die zweite Verbeugung und ent⸗—
eilten.
„Erweiſen wir unſerm jüngſten chriſtlichen Untertan
die Ehre des Beſuchs?“ fragte Frau Hadwig heiter. Die
Gäſte wußten, daß auf Fragen, die ſie ſo freundlich ſtellte,
keine Verneinung zieme. Da ritten ſie des Nachmittags
hinüber. Auch Rudimann, der Abgeſandte von Pirmi—
nius' Kloſter, ritt mit, er hielt ſich ſchweigſam und lauernd,
ſeine Rechnung mit Ekkehard war noch nicht abgemacht.
Der Stoffler Berg ragt ſtolz und luſtig mit ſeinen drei
Baſaltkuppen, von dunkelm Tannwald umſäumt, ins
Land hinaus. Die Burgen, deren Trümmer itzt ſein
8

Scheffel. III. 1


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0274