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16. Cappan wird verheiratet. 277

überſehen. Und die Winterfreuden! wenn der Schnee
mauergleich bis an das Strohdach ſich türmt, daß der helle
Tag ſich verlegen umſchaut, durch welchen Spalt er ins
Haus ſchlüpfen ſoll ...“
„Auch in ſolche Not wüßte ich mich zu finden“, ſprach
Ekkehard. „Virgilius weiß es auch:
Mancher verbleibet dann lang' beim ſpäten Geflimmer des Feuers
Wach im Winter und ſchnitzt ſich Fackeln mit ſchneidendem Eiſen,
Während ſein Weib mit Geſang ſich der Arbeit Weile verkürzend
Raſch des Gewebs Aufzug durchſchießt mit ſauſendem Kamme.““
„Sein Weib?“ ſprach die Herzogin boshaft. „Wenn
er aber kein Weib hat?“ L
Drüben erſcholl ein brauſend JFubelgelächter. Sie
hatten den hunniſchen Vetter auf ein Brett geſetzt und
trugen ihn erhoben, wie einſt den Heerführer auf dem
Schild bei der Königswahl, über die Wieſe. Er tat etliche
Freudenſprünge über ihren Häuptern.
„— und kein Weib haben darf?“ ſprach Ekkehard zer—
ſtreut. Seine Stirn glühte. Er deckte ſie mit der Rechten.
Wohin er ſchaute, ſchmerzte ihn das Aug'. Dort das Ge—
wirre des Hochzeitjubels — hier die Herzogin, fern die
leuchtenden Gebirge: es war ihm unendlich weh, aber
ſeine Lippen blieben geſchloſſen. „Sei ſtark und ſtill!“
ſprach er zu ſich ſelber.
Er war in Wahrheit nicht mehr wie früher. Der ſtille
Bücherfriede der Mönchsklauſe war von ihm gewichen,
Kampf und Hunnennot hatten ſein Denken geweitet, der
Herzogin Zeichen von Huld ſein Herz entzweit. Im Gang
des Tages, im Traum der Nacht verfolgte ihn das Bild,
wie ſie ihm Reliquie und Schwert des Gatten umgehan-
gen, und in böſen Stunden zogen Vorwürfe nebelgleich
durch ſeine Seele, daß er's ſo ſchweigend hingenommen.
Frau Hadwig ahnte nicht, was in ihm kochte; ſie dachte
gleichgültiger von ihm, ſeit vermeintliches Nichtverſtehen
ihres Zuvorkommens ſie gedemütigt; aber wenn ſie ihn
wieder ſah, Kummer auf der hohen Stirn und fragende
Schwermut im Aug', ſo erneute ſich das alte Spiel.
„Wenn Ihr ſolche Freude am Landbau habt“, ſprach


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