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16. Cappan wird verheiratet. 281

er wollte ſprechen, die Worte blieben aus. . . Da wandte
ſich Frau Hadwig mit ſtolzer Anmut zu den Umſtehenden:
„Die Narretei meiner zwei jungen Untertanen ſchafft
mir Gelegenheit, ihnen meine Gnade zu beweiſen. Seid
deſſen Zeugen!“
Sie brach einen Haſelzweig vom Strauch, tat einen
Schritt vor, ſchüttelte dem Hirtenknaben und ſeiner Ge—
fährtin die Münzen aus der Hand, daß ſie weit hinüber—
flogen ins Gras, und berührte beider Scheitel mit dem
Zweig: „Stehet auf“, ſprach ſie, „keine Schere ſoll von
heut an euer Haupthaar mehr kürzen, als der Burg Hohen⸗
twiel eigene Leute ſeid ihr gekniet, als freigeſprochene
und freie erhebt euch und behaltet einand ſo lieb in der
Freiheit wie ehedem.“
Es waren die Formen der Freilaſſung nach ſaliſchem
Recht?. Schon der Kaiſer Lotharius hatte ſeiner alten
Magd Doda den güldenen Denar aus der Hand und da—
mit das Joch der Sklaverei vom Nacken geſchüttelt. Audi⸗
fax aber war fränkiſcher Abſtammung, darum hatte ſich
Frau Hadwig nicht nach ihrem alemanniſchen Landrecht
gerichtet.
Die beiden ſtanden auf. Sie begriffen, was vorgegan—
gen. Dem Hirtenknaben wollte es ſchwarz vor den Augen
werden, der Traum ſeiner Fugend, Freiheit, Goldſchatz...
alles Wahrheit geworden, dauernde Wahrheit für jetzt
und immerwährendes Immer!. .Er ſah Ekkehards ern⸗
ſtes Antlitz und warf ſich mit Hadumoth vor ihm nieder:
„Vater Ekkehard“, rief er, „wir danken auch Euch, daß
Ihr's wohl mit uns gemeint!“
„Wie ſchade, daß es ſchon zu ſpät worden“, rief Praxe-
dis herüber, „Ihr könntet gleich noch ein Paar mit dem
Band der Ehe zuſammenſchmieden oder wenigſtens feier-
lich verloben, die taugen ſo gut zueinand wie die zwei da
drüben.“
Ekkehard ließ ſein blaues Aug' lange auf den beiden
ruhen. Er legte ihnen die Hand auf und machte das
Zeichen des Kreuzes über ſie. „Wo iſt das Glück?“ ſprach
er leiſe vor ſich hin. — —


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