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282 Ekkehard.
In ſpäter Nacht ritt Rudimann, der Kellermeiſter, in
ſein Kloſter zurück. Die Furt war trocken, er konnte zu
Roß hinüber. Von des Abts Zelle glänzte noch ein Licht-
ſchimmer in den See nieder. Er klopfte bei ihm an, öff-
nete die Tür halb und ſprach: „NMeine Ohren haben heute
mehr hören müſſen, als ihnen lieb war. Mit dem Hofgut
zu Saspach am Rheine wird's nichts! Sie ſetzt das Milch—
geſicht von Sankt Gallen drauf..“
„Varium et mutabile semper femina! Wankelmütig
und veränderlich ſtets iſt das Weib?““!“ murmelte der
Abt, ohne ſich umzuſchauen. „Gute Nacht!“
Siebzehntes Kapitel.
Gunzo wider Ekkehard.
In den Zeiten, da all das ſeither Erzählte an den
Ufern des Bodenſees ſich zugetragen, ſaß fern in belgiſchen
Landen im Kloſter des heiligen Amandus sur l'Elnon*
ein Mönch in ſeiner Zelle. Tagaus, tagein, wenn die
Pflicht der Kloſterregel ihn freiließ, ſaß er dort wie feſt—
gebannt; Winterſturm war gekommen, die Flüſſe zu—
gefroren, Schnee, ſo weit das Auge reichte — er hatte
deſſen keine Acht; der Frühling trieb den Winter aus —
es kümmerte ihn nicht; die Brüder plauderten von Krieg
und ſchlimmer Botſchaft aus dem befreundeten Land am
Rhein — er hatte kein Ohr für ſie. Auf ſeiner Zelle lag
Stuhl und Schragen mit Pergamenten überdeckt, des
Kloſters ganze Bücherei war zu ihm herabgewandert, er
las und las und las, als wollt' er den letzten Grund der
Dinge ergründen; — zur Rechten die Pſalmen und heili-
gen Schriften, zur Linken die Reſte heidniſcher Weisheit,
alles ward durchwühlt; dann und wann machte ein höh—
niſch Lächeln dem Ernſt ſeiner Studien Platz, und er
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ſchrieb ſich auf ſchmale Streifen Pergamentes haſtig et-
liche Zeilen heraus. Waren es Goldkörner und Edel⸗—
* Heute Saint/ Amand les⸗Eaux im franzöſiſchen Departement Nord.
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