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Es war ein linder Sommerabend; wiederum war ſeine
Feder wie ein Frrlicht über das geduldige Pergament ge⸗
hüpft, es kniſterte vom Ziehen der Buchſtaben — da hub
ſie an, langſamer zu gehen, — itzt eine Pauſe, dann noch
einige Züge — und einen gewaltigen Schnirkel zog er
über den unbeſchriebenen übrigen Raum, daß die Tinte
unfreiwillig einen Schwarm von Flecken gleich ſchwarzen
Sternbildern drüber ſchwirrte. Er hatte das Wort Finis!
geſchrieben; mit langgedehntem Atemzug erhob er ſich
vom Stuhl gleich einem Mann, dem ein Zentnerſtein vom
Herzen gefallen, er überſchaute, was ſchwarz auf weiß vor
ihm lag: „Gelobt ſei der heilige Amandus!“ rief er feier-
lich, „wir ſind gerächt!“
Er hatte in dieſem erhebenden Augenblick — eine
Schmähſchrift vollendet, eine Schmähſchrift, zugeeignet
der ehrwürdigen Bruderſchaft auf der Reichenau, gerich—
tet gegen — Ekkehard, den Pörtner zu Sankt Gallen.
Als der blonde Erklärer des Virgilius Abſchied nahm von
ſeinem Kloſter und zur Herzogin überſiedelte, konnte es
ihm unmöglich zu Sinne kommen — und hätt' er ſein
Gedächtnis auch umgeſchüttelt bis in die verborgenſten
Falten, daß ein Mann auf der Welt ſei, deſſen Dichten
und Trachten darauf ausging, an ihm Rache zu nehmen,
denn er war harmlos und ſanft und tat keiner Mücke ein
Leides. Und doch war es ſo; denn zwiſchen Himmel und
Erde und im Gemüt eines Schriftgelehrten gehn viele
Dinge vor, davon ſich der Verſtand der Verſtändigen nichts
träumen läßt.
Die Geſchichte hat ihre Launen im Erhalten wie im
Zerſtören. Die deutſchen Lieder und Heldenſagen, die
durch des großen Kaiſer Karl Fürſorge aufgezeichnet ſtan—
den, mußten im Schutte der Zeiten untergehen, Gunzos
Werk, das noch keinem der wenigen, die es geleſen, Freude
bereitet, iſt auf die Nachwelt gekommen?. Mag denn
der ungeheuerliche Anlaß, der des welſchen Gelehrten
Rache aufrief, mit ſeinen eigenen Worten erzählt ſein:
„Schon lange“ — alſo ſchreibt er ſeinen Reichenauer
Freunden — „betrieb es der verehrungswerte teure
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