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286 G Ekkehard.
Augen einer Turteltaube. Von dieſem ſchmachtend blicken⸗
den Gelehrten habe ich nunmehr zu reden. Höret ſeine
Tat. Ab- und zugehend machte er den Schüler zum Ge—
fährten eines tückiſchen Anſchlages.
Nacht war's, es nahte die Zeit des ſorgenſtillenden Schlummers,
Wohlgeſättigt des Mahls, zollten wir Bacchus ſein Recht —
da verführte mich ein ungünſtig Geſchick, daß ich im Hin—
und Herreden lateiniſchen Tiſchgeſpräches eines Verſto—
ßes im Gebrauch eines Kaſus ſchuldig ward und einen
Akkuſativus ſetzte, wo ein Ablativus ſich ge—
ziemt hätte.
„Nun ward offenbar, in welcher Art Künſten jener
vielberühmte Lehrer den ganzen Tag ſeinen Schüler un—⸗
terwieſen. ‚Solch Verbrechen wider Sprache und Gram—
matik verdiene die Schulgeißel!' alſo ſpottete das benannte
Studentlein mich, den Erprobten, und kramte bei dieſem
Anlaß ein höhniſches Spottgedicht aus, das ihm eben
jener Lehrer eingeblaſen, alſo daß ein rauhes zisalpini⸗
ſches Gelächter über den fremden Gaſtfreund durchs Re—
fektorium erſchallte.
„Wem aber iſt unbekannt, welcher Beſchaffenheit die
Verſe übermütig gewordener Mönche ſind? Was weiß
ein ſolcher von der inneren Haushaltung eines Gedichtes,
wo ein Stück Purpur ans andere zu ſetzen iſt, auf daß
es glänze und gleiße? was von der Würde der Dichtkunſt?
— er ſpitzt die Lippen und ſpuckt ein Poem aus, gleich dem
Lucilius“, den Horatius brandmarkt, daß er oftmals
auf einem Fuß ſtehend zweihundert Verſe diktierte und
mehr noch, bevor ein Stündlein abgelaufen. Ermeſſet
nun, ehrwürdige Brüder, welch ein Maß von Unrecht
man mir angetan, und was der für ein Menſch ſein muß,
der ſeinem Nebenmenſchen den Irrtum eines Ablativus
vorhält!“
Der Menſch, der in harmloſem Scherz dieſen Frevel
begangen, war Ekkehard; wenig Wochen bevor ihn ſeines
* Römiſcher Satiriker, 180—102 v. Chr. Die angezogene Außerung in
Horaz' „Satiren“, 1, 4, 9 f.
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