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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0291
290 Ettehard.

„Weiter hab' ich erwogen, ob nicht auch der Laut ſeines
eigenen Namens mit ſeiner Handlungsweiſe überein-
ſtimme. Und wie? Ekkehard oder Akhar hieß der Mann,
als wäre ihm ſchon bei der Taufe der Name eines Übel⸗-
täters vorahnungsvoll aufgeprägt worden. Denn wer
kennt nicht jenen Akhar, der aus der Beute von Fericho
einen purpurnen Mantel entwendet und zweihundert
Beutel Silbers ſamt einer güldenen Rute, alſo daß ihn
Joſua hinausführen ließ in ein abgelegen Tal und ganz
Iſrael ſteinigte ihn, und alles, was er hatte, ward mit
Feuer verbrannt? Solchen Vorgängers hat ſich der Akhar
von Sankt Gallen würdig erzeigt, dieweil, wer die Gebote

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einer höflichen Lebensart verachtet, ſo übel tut als ein

Dieb: er veruntreut das Gold wahrer Weisheit.
„Wäre es erlaubt, an die Seelenwanderung des Pytha⸗
goras zu glauben, ſo ſtünde außer allem Zweifel, daß die
Seele jenes hebräiſchen Akhar in dieſen Ekkhard gefahren,
und ſie wäre ernſthaft darob zu bedauern, denn beſſer
den Körper eines Fuchſes zum Aufenthalt erwählen als
den eines hinterliſtigen Mönches. All dies ſei übrigens
ohne Haß geſagt; mein Haß geht nur auf die dem Manne
anklebende Schlechtigkeit, alſo nur auf ein Akzidens, nicht
auf die Subſtanz ſelbſt, in der wir ja nach den Worten der
Schrift ein Ebenbild der Gottheit anzuerkennen haben.
„Merket nun“, ſo fuhr Gunzo in ſeines Buches zwei⸗—
tem Teile fort, „wie unſinnig mein Feind gegen Nutz und
Frommen der Wiſſenſchaft gehandelt. Mehr als hundert
geſchriebene Bände führte ich bei meiner Reiſe über die
Alpen mit mir, Waffen des Friedens, darunter⸗des Mar⸗
cianus blumenreiche Unterweiſung in den ſieben freien
Künſten, des Plato unergründliche Tiefe im Timäus, des
Ariſtoteles zu unſeren Zeiten kaum aufgehellte dunkle
Weisheit im Buch von der hermeneia, und Ciceros red—
neriſche Würde in der Topik. Wie ernſt und fruchtbringend
hätte die Unterhaltung gedeihen mögen, wenn ſie mich
über ſolche Schätze befragt! Wie konnte ich glauben, daß
ſie mich, dem Gott ſo vieles verliehen, ob der Verwechſ—
lung eines Kaſus durchhecheln würden, mich, der den Do⸗

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