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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0297
296 Ekkehard.

Moengal ließ ſich beim Abt melden. „Er iſt im Leſen
vertieft“, hieß es. Doch ließ man ihn eintreten.
„Setzt Euch, Leutprieſter“, ſprach der Abt gnädig, „Ihr
ſeid ein Freund von Gebeiztem und Geſalzenem — ich
hab' was für Euch.“
Er las ihm die friſch angekommene Schrift Gunzos
vor. Der Alte horchte; ſeine Augenbrauen zogen ſich in
die Höhe, die Naſenflügel traten weit und weiter auf.
Den Abt ſchüttelte ein Lachen, wie er an die Schil—
derung von Ekkehards krauſem Haar und feinem Schuh—
werk kam. Moengal ſaß ernſt, es zogen drei Falten auf
der Stirn auf, wie Wolken vor dem Gewitter.
„Nun?“ ſprach der Abt, „dem Bürſchlein wird der
Hochmut aus der Kutte geklopft! Sublim! ganz ſublim!
Und eine Fülle von Wiſſenſchaft, das trifft. Darauf gibt's
gar keine Antwort.“
„Doch!“ ſprach der Leutprieſter finſter.
„Welche?“ fragte der Abt geſpannt.
Moengal machte eine ſchlimme Gebärde. „Einen
Stechpalmſtock von der Hecke ſchneiden“, rief er, „oder
eine brave Haſel und rheinabwärts ziehen, bis zwiſchen
dem ſchwäbiſchen Holz und des welſchen Schreibers Rücken
nur noch eine Armslänge Entfernung iſt! Dann aber...“
er ſchloß ſeine Rede ſinnbildlich. L
„Ihr ſeid grob, Leutprieſter“, ſprach der Abt, „und
habet keinen Sinn für Gelehrſamkeit. So etwas kann
freilich nur ein eleganter Geiſt ſchreiben. Reſpekt!“
„Hoiho!“ fing Moengal, der Alte, an, er war fuchs—
wild geworden, „Gelehrſamkeit? ‚Aufgeblaſene Lippen
und dabei ein boshaftig Herz ſind als wie ein irden Ge—
fäß mit Silberſchaum überzogen, ſpricht Salomo. Gelehr⸗
ſamkeit? So gelehrt iſt mein Pfarrwald auch mit ſeinen
Hagebuchen, der ſchreit auch hinaus, wie man in ihn
hineingeſchrieen, und iſt wenigſtens ein lieblich Echo. Wir
kennen die belgiſchen Pfauen! kommen anderwärts auch
vor. Die Federn ſind geſtohlen, und was ſie ſelber krä—
hen, trotz Rad und Schweif und Regenbogen am Steiß,
iſt heiſer und bleibt heiſer, da hilft kein Halskragen—

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