Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0298
17. Gunzo wider Ekkehard. 297

blähen. Vor meiner großen Geſundkur hab' ich auch ge—
glaubt, es ſei geſungen ſtatt gekrächzt, wenn einer mit
Grammatik und Dialektik die Backen aufblies, — aber
jetzt: Gute Nacht, Marcianus Capella! heißt's bei uns
5 in Radolfs Zelle!“
„Ihr werdet wohl bald an Euren Heimweg denkten
müſſen“, ſprach der Abt, „es zieht ſchon ganz ſchwarz
über Konſtanz hin.“ L
Da merkte der Leutprieſter, daß er mit ſeinen Anſich⸗
10 ten von Geſundſein und von der Wiſſenſchaft nicht an
rechten Mann geraten war. Er empfahl ſich.
„Hätt'ſt auch in deinem Kloſter Benchor auf der grünen
Inſel bleiben können, iriſcher Hartknochen!“ dachte der
Abt Wazmann und entließ ihn ſehr kühl.
1s „Rudimann!“ rief er dann in den dunkeln Gang hin-
aus. Der Gerufene erſchien.
„Ihr gedenket noch der Weinleſe“, redete ihn der Abt
an, „und des Streiches, den Euch ein gewiſſes Milchgeſicht
geſchlagen, dem eine phantaſiereiche Herzogin itzt gewiſſe
20 Grundſtücke zuwenden will...“
„Ich gedenke des Streichs“, ſprach Rudimann, ver—
ſchämt ſchmunzelnd, wie eine Fungfrau, die nach dem
Geliebten gefragt wird.
„Den Streich hat einer zurückgegeben, ſaftig und ſcharf,
25 Ihr könnet zufrieden ſein. Leſt.“ Er reichte ihm des
Gunzo Pergamentblätter.
„Mit Erlaubnis!“ ſprach Rudimann und trat ans Fen—
ſter. Er hatte ſchon manchen braven Wein gekoſtet der
Pater Kellermeiſter, ſeit daß er ſein Amt führte, aber
z0 ſelbſt damals, als ihm der Biſchof von Cremona etliche
Krüge dunkelbraun ſchäumenden Aſti überſendet, hatte
ſein Antlitz nicht ſo rötlich froh geſtrahlt wie jetzo.
„Es iſt doch eine herrliche Gottesgabe um ein gründlich
Wiſſen und einen ſchönen Stil“, ſagte er. „Das Ekke—
35 hardlein iſt fertig. Es kann ſich nimmer an freier Luft
ſehen laſſen.“
„Noch nicht ganz“, ſagte der Abt, „aber was nicht iſt,
kann werden. Der gelehrte Bruder Gunzo hilft uns dazu.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0298