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18. Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 299

chiſche Jungfrau, genannt Praxedis, um ihn her ihr
Weſen treibt; was die Herrin unverdorben läßt, mag die
Dienerin einreißen, von der nicht einmal ſicher iſt, ob ſie
eines orthodoxen Glaubens ſich erfreue. Ein leichtfertig
s Weib aber iſt bitterer denn der Tod, ſie iſt ein Strick der
JZäger, ihr Herz ein Netz, ihre Hände ſind Bande, nur wer
Gott gefällt, mag ihr entrinnen.“
Es ſtund Rudimann, dem Beſchützer der Obermagd
Kerhildis, wohl an, daß er die Worte des Predigers ſo
10 getreulich im Herzen trug.
„Genug“, ſprach der Abt. „Hauptſtück neunundzwan-
zig: Von der Rückberufung auswärts Weilender. Es wird
durchſchlagen. Mir ahnt und ſchwant, bald wird die
wetterwendiſche Herrin droben um ihren Felſen herum—
15 flattern wie eine alte Schwalbe, der ihr Funges aus dem
Neſt gefallen, — Ade Herzkäfer!... und Saspach wird
des Kloſters!“
„Amen!“ murmelte Rudimann.

Achtzehntes Kapitel.
20 Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft.

An einem kühlen Sommermorgen ſchritt Ekkehard den
Burgweg entlang in die wehende Frühluft hinaus. Eine
ſchlafloſe Nacht lag hinter ihm; er war auf ſeiner Stube
auf und nieder geſchritten, die Herzogin hatte wilde Ge—
25 danken in ihm aufgejagt. In ſeinem Kopf ſummte und
ſchwirrte es, als ſtreiche ein Flug Wildenten drin herum.
Er mied Frau Hadwigs Anblick und ſehnte ſich doch in
jeder Minute, da er fern, in ihre Nähe. Die alte frohe
Unbefangenheit war verflogen, ſein Weſen zerſtreut und
z0 fahrig geworden; jene Zeit, die noch keinem Sterblichen
erſpart ward, die der brave Gottfried von Straßburg her⸗
nachmals ein „ſtetes Leid bei ſtetiglicher Seligkeit“ ge—
heißen, brach über ihn herein.
Vor ſinkender Nacht hatte ein Gewitter getobt. Er
35 hatte ſein Fenſterlein geöffnet und ſich der Blitze erfreut,


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