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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0305
304 Ekkehard.

„Schweig!“ ſchalt der Kloſtermeier grimmig, „bis du

gefragt biſt.“
Der Knecht blieb ſtehen, er wußte, daß es noch an
ihn kommen werde. Sie ſchwiegen eine Zeit. Dann fuhr
ihn der Alte an: „Was weißt?“
„Ich weiß, was ich weiß“, ſagte der Knecht pfiffig.
Sie ſchwiegen wiederum eine Weile. Der Kloſter—
meier hatte zum Fenſter hinausgeſchaut, die Ernte war
vernichtet. Er wandte ſich.
„Sag's!“ rief er.
„Habt Ihr die Wetterwolke geſehen“, ſprach der
Knecht, „wie ſie übers Dunkel hingefahren iſt? Was
war's? Das Nebelſchiff war's! Es hat einer unſer Korn
den Nebelſchiffern verhandelt...“
Der Kloſtermeier ſchlug ein Kreuz, als wollt' er ihm
die weitere Rede wehren.
„Ich kenn's von meiner Großmutter her“, fuhr der
Knecht fort. „Die hat's im Elſaß drüben oft erzählen
hören, wenn das Wetter über den Odilienberg ſauſte.
Aus dem Land Magonia kommt's hergeſegelt, das Nebel⸗
ſchiff, weiß über die ſchwarzen Wolken, Faſolt und Mer—
muth ſitzen drinnen, die hageln die Körner aus den Hal—
men, wenn ihnen der Wetterzauberer Macht drüber ge—
geben, und heben unſer Getreide ins Luftſchiff hinauf und
fahren wieder heim nach Magonia und zahlen einen guten
Lohn?n³. Das Nebelſchiff rufen, trägt mehr ein, als Meſſe
leſen; uns aber bleiben die Hülſen.“
Der Kloſtermeier ward nachdenklich. Dann griff er
den Knecht am Kragen und ſchüttelte ihn.
„Wer?“ rief er heftig.
Der Knecht aber legte den Finger auf den Mund. Es
war ſpäte Nacht geworden.
In der gleichen Frühſtunde, da Cappan dem Ekkehard
begegnet war, ging der Kloſtermeier mit dem Großknecht
über die Felder, den Schaden zu beſchauen. Sie ſpra—
chen kein Wort. Der Schaden war groß. Aber das Land
jenſeits war minder verheert, als ob die Eichen des Wal—
des eine Grenzſcheide für Einſchlag des Hagels gezogen.

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