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18. Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 305

Auf dem nahen Grundſtück trieb Cappan ſeine Arbeit.
Er hatte das Stellen der Fallen beendet und gedachte
eine Weile zu ruhen. Er zog aus dem Gürtel ein Stück
ſchwarz Brot und eine Speckſeite, die glänzte weich und
weiß wie friſchgefallener Schnee, und war ſo ſchön, daß
er mit Rührung ſeiner neuen Ehefrau gedenken mußte,
die ihm ſolche Atzung zugeſteckt. Und er dachte an allerlei,
was ſich ſeit der Hochzeit zwiſchen ihm und ihr zugetragen,
und ſchaute ſehnſüchtig zu den Lerchen empor, als ſollten
ſie hinüberfliegen zur Kuppe des hohen Stoffeln und
ihm Haus und Ehebett grüßen, und es ward ihm ſo wohl
zumut', daß er wieder einen mächtigen Luftſprung
tat. Weil ſein ſchlankes Ehgemahl nicht anweſend, ge—
dachte er ſich jetzt des langen Weges zur Erde zu legen,
um ſeinen Imbiß zu verzehren, denn daheim hatte er
ſich immer noch zum Sitzen bequemen müſſen, ſo ſauer
es ihm auch ward. Da ſchoß ihm durch den Sinn, daß
ihm Friderun zu beſſerem Segen bei ſeiner Hantierung
einen Spruch gelehrt, das Ungeziefer zu beſchwören, und

ihm ſtreng aufs Herz gelegt, ſolchen Spruch nicht zu

verſäumen. G
Sein Frühmahl hätt' ihm nimmer geſchmeckt, bevor
er dem Befehl gehorchet.
An des Feldes Grenze war ein Stein, drein ein Halb⸗
mond gehauen, Frau Hadwigs Herrſchaftszeichen. Er trat
vor, zog ſeinen Holzſchuh vom rechten Fuß, trat barfüßig
auf den Grenzſtein und hob die Arme nach dem Wald hin.
Der Kloſtermeier und ſein Knecht gingen zwiſchen den
Eichen; ſie blieben ſtehen, er ſah ſie nicht und ſprach den
Spruch, wie Friderun ihn gelehrt: „Aius, sanctus, cardia
cardiani! Maus und Mäuſin, Talp und Talpin, Hamſter
und Frau Hamſterin, laſſet das Feld, wie es beſtellt; fahrt
in die Welt! Fahret hinunter, hinüber ins Moor, Fieber
und Gicht laß euch nimmer hervor! Arfrias, aestrias,

35 palamiasit14!“

Der Kloſtermeier und der Großknecht hatten hinter
den Eichen der Beſchwörung gelauſcht; jetzt ſchlichen ſie
nähex. „Afrias, aestrias, palamiasit!“ ſprach Cappan zum
Scheffel. III. 20


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