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306 Eklehard.
zweitenmal, da fuhr ihm ein Schlag ins Genick, daß er
zu Boden ſtürzte, ſeltſame Laute klangen an des Über—
raſchten Ohr, vier Fäuſte arbeiteten ſich müd auf ſeinem
Rücken, wie Flegel der Dreſcher in der Scheunens.
„Geſteh's, Kornmörder!“ rief der Kloſtermeier dem
Hunnen zu, der nicht wußte, wie ihm geſchah, „was hat
dir der Schlangenhof für Leids getan, Wettermacher,
Mausverhetzer, Teufelsbraten?“‧
Cappan hatte keine Antwort, ihm ſchwindelte. Das
erzürnte den Alten noch mehr.
„Schau ihm ins Aug'!“ rief er dem Knecht zu, „ob's
trieft und ob's dich verkehrt abſpiegelt, den Kopf nach
unten.“ — Der Knecht tat, wie geheißen. Aber er war
ehrlich: „Im Aug' ſitzt's nicht“, ſprach er.
„So lupf' ihm den Arm!“
Er riß dem Darniedergeſchlagenen das Obergewand
ab und prüfte den Arm: Wer mit böſen Geiſtern Verbin⸗
dung pflog, war irgendwo am Leib gezeichnet. Aber ſie
fanden kein Fehl an dem Mitleidswerten, nur etliche alt-
vernarbte Wunden. Da wären ſie ſchier wieder zu ſeinen
Gunſten geſtimmt worden; die Menſchen waren dazumal,
wie ein Geſchichtſchreiber ſagt, in ihren Leidenſchaften
nach Art der Wilden auffahrend und jäh veränderlich.
Aber des Knechts Blick fiel von ungefähr aufs Erdreich,
da kroch ein großer Hornſchröter des Weges; violſchwarz
glänzten die Flügeldecken und die rötlichen Hörner ſtan-⸗
den ihm ſtolz, wie ein Geweih. Er hatte ſich des Cappan
Mißhandlung angeſchaut und wollte jetzt feldeinwärts,
denn er fand kein Wohlgefallen dran.
Der Knecht aber fuhr erſchrocken zurück.
„Der Donnergugi!“ rief er.
„Der Donnerkäfer!“ rief der Kloſtermeier desgleichen.
Jetzt war Cappan verloren. Daß er mit dem Käfer das
Wetter gemacht, litt keinen Zweifel mehr, Hornſchröter
zieht Blitz und Hagel nieder.
„Mach' Reu' und Leid, Heidenhund!“ ſprach der Meier
und griff nach ſeinem Meſſer. Es fiel ihm etwas ein: „Auf
dem Grab ſeiner Brüder ſoll er's büßen“, ſprach er weiter.
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