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314 Ekkehard.
zurück. „Der Teufel iſt heute Schutzpatron des Tages.
Wir ſind gekränkt! ſchwer gekränkt! Wir heiſchen Buße,
zweihundert Pfund Silbers zum mindeſten. Heraus da—
mit!! Mord und Weltbrand! den landesherrlichen Rech—
ten ſoll durch klöſterliche Anmaßung kein Eintrag ge—
ſchehen! Wir ſind Geſandter.“
Er klirrte mit den Sporen auf dem Fußboden.
„Verzeihet“, ſprach der Abt, „wir haben am grauen
JZagdrock die Tracht des Geſandten nicht zu erkennen ver⸗
mocht.“
„Beim kamelhärenen Kleid des Täufers JFohannes!“
brauſte Herr Spazzo auf, „und wenn ich im Hemd an—
geritten käme, ſo wär' die Gewandung noch ſtolz genug,
um vor euch ſchwarze Kutten als Herold zu treten.“
Er ſetzte ſeinen Helm auf. Die Federn nickten: „Zahlet,
damit ich weiters kann. Es iſt ſchlechte Luft hier, ſchlecht,
ſehr ſchlecht...“
„Erlaubet“, ſagte der Abt, „im Zorn laſſen wir keinen
Gaſt von der Inſel reiten. Ihr ſeid ſcharf, weil Ihr noch
nichts gegeſſen habt. Laſſet Euch ein Kloſtermahl nicht
gereuen. Nachher von Geſchäften.“
Daß einer für ſeine Grobheit freundlich zum Mittags⸗
mahl eingeladen wird, machte dem Kämmerer einigen
Eindruck. Er nahm ſeinen Helm wieder ab. „Den landes-
herrlichen Rechten ſoll durch klöſterliche Anmaßung kein
Eintrag geſchehen!“ ſprach er noch einmal, aber der Abt
deutete hinüber: da ſah man die offene Kloſterküche, der
blonde Küchenjunge drehte den Spieß am Feuer und
ſchnalzte mit der Zunge, denn ein lieblicher Bratenduft
war in ſeiner Naſe aufgeſtiegen — ahnungsvoll ſtanden
etliche verdeckte Schüſſeln im Hintergrund, — ein Mönch
wandelte mit rieſigem Steinkrug vom Keller her durch
den Hof. Das Bild war allzu lockend.
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Da vergaß Herr Spazzo die amtlichen Stirnfalten und
nahm die Einladung an.
Bei der dritten Schüſſel ſtrömten ſeine Grobheiten
ſpärlicher. Wie der rote Meersburger im Pokal glänzte,
verſiegten ſie ganz. Der rote Meersburger war gut. —
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