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316 Etkehard.
folg im ganzen. „Und mög' Euch ein unwürdig Geſchenk
wenigſtens den guten Willen des Euch ſtets getreuen
Gotteshauſes beweiſen“, ſchloß er und trat zurück, daß
der Lachs in ſeiner vollen Pracht ſichtbar wurde. Die
Herzogin lächelte halb verſöhnt.
getzt ſah ſie das Pergament dem Rachen entragen.
„Und das?“ ſprach ſie fragend. L
„Das Neueſte der Literatur!...“ ſprach Rudimann.
Er neigte ſich mit Anſtand, ging zu ſeinem Saumtier und
beeilte ſich des Heimritts. —
Der rote Meersburger war gut. Und Herr Spazzo
nahm's nicht als eine leichte Sache, beim Wein zu ſitzen,
er dauerte aus vor den Krügen wie ein Städtebelagerer
und ſaß feſtgegoſſen auf ſeiner Bank und trank als ein
Mann, der ſprudelnd Aufſchäumen den Knaben überläßt,
ernſt aber viel.
„Der Rote iſt die verſtändigſte Einrichtung im ganzen
Kloſter, habt Ihr noch mehr im Keller?“ hatte er den
Abt gefragt, wie der erſte Krug leer war. Es ſollte eine
Höflichkeit ſein, ein Zeichen der Verſöhnung, daß er weiter
trank. Da kam der zweite Krug.
„Unbeſchadet der landesherrlichen Rechte!“ ſprach er
grimm, wie er mit dem Abt anſtieß. „Unbeſchadet!“
antwortete der mit einem Seitenblick.
Es war die fünfte Abendſtunde, da ſchallte ein Glöck-
lein durchs Kloſter. „Verzeihet“, ſprach der Abt, „wir
müſſen zur Beſper, wollet Ihr mit?“
„Ich werd' Euch lieber erwarten“, entgegnete Herr
Spazzo und ſchaute in den dunkeln Hals des Steinkrugs.
Es wogte drin noch ſattſamer Bedarf für eine Stunde.
Da ließ er die Mönche ihren Veſperſang halten und trank
einſam weiter.
Wieder war eine Stunde abgelaufen, da beſann er
ſich, weshalb er eigentlich ins Kloſter herübergeritten. Es
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fiel ihm nimmer deutlich ein. Fetzt kam der Abt zu ihm 25
zurück.
„Wie habt Ihr Euch unterhalten?“ fragte er.
„Gut!“ ſprach Herr Spazzo. Der Krua war leer.
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