Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0318
5

10

15

20

35⁵

18. Herrn Spazzo, des Kämmerers, Geſandtſchaft. 317

„Ich weiß nicht...“ begann der Abt.
„Doch!“ ſprach Herr Spazzo und nickte mit dem
Haupt. Da kam der dritte Krug.
Inzwiſchen kehrte Rudimann von ſeinem Ausritt heim,
die Abendſonne neigte ſich zum Untergehen, der Himmel
färbte ſich glühend, purpurne Streiflichter fielen durchs
ſchmale Fenſter auf die Zechenden.
Wie Herr Spazzo wieder mit dem Abte anſtieß,
glänzte der Rotwein wie feurig Gold im Pokal, und er
ſah einen Schein der Verklärung um des Abts Haupt
flimmern. Er beſann ſich. „Beim Leben Hadwigs?¹²“,
ſprach er feierlich, „wer ſeid Ihr?“
Der Abt verſtand ihn nicht. „Was habt Ihr geſagt?“
fragte er. Da kannte Herr Spazzo die Stimme wieder.
„Ja ſo!“ rief er und ſchlug mit der Fauſt auf den Tiſch,
„den landesherrlichen Rechten ſoll durch klöſterliche An—
maßung kein Eintrag geſchehen!“
„Gewiß nicht!“ ſagte der Abt.
Da fühlte der Kämmerer einen fliegenden Stich in
der Stirn so«, den kannte er wohl und pflegte ihn den
„Wecker“ zu heißen. Der Wecker kam nur, wenn er beim
Weine ſaß; wenn er durchs Haupt brauſte, ſo war's ein
Signal, daß in Friſt einer halben Stunde die Zunge ge—
lähmt ſei und das Wort verſage. Kam der Wecker zum
zweitenmal, ſo drohte die Lähmung den Füßen. Da er⸗-
hob er ſich.
„Die Freude ſollen die Kutten nicht erleben“, dachte
er, „daß vor ihrem Kloſterwein eines herzoglichen Dienſt-
mannes Zunge ſtille ſteht!“ Er ſtand feſt auf den Füßen.
„Halt an“, ſprach der Abt, „des Abſchieds Minne!“
Da kam der vierte Krug. Herr Spazzo war zwar auf⸗
geſtanden, aber zwiſchen Aufſtehen und Fortgehen kann
ſich noch vieles zutragen. Er trank wieder. Wie er ſeinen
Pokal abſetzen wollte, ſtellte er ihn bedächtig in die blaue
Luft hinein, daß er auf die Steinplatten des Fußbodens
fiel und zerſchellte. Da ward Herr Spazzo grimmig.
Verſchiedenes rauchte und rauſchte ihm durch den Sinn.
„Wo habt Ihr ihn?“ fuhr er den Abt an.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0318