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318 Ekkehard.
„Wen?“
„Den Kloſtermeier! Gebt ihn heraus, den groben
Bauer, der mein Taufpatenkind hat umbringen wollen!“
Er ging drohend auf den Abt los. Nur einen einzigen
Fehltritt tat er.
„Der ſitzt auf dem Schlangenhofe“, ſprach der Abt
lächelnd. „Er ſei Euch ausgeliefert. Ihr müßt aber ſelber
ausziehen und ihn holen.“
„Mord und Weltbrand! wir werden ihn holen“, pol-
terte Herr Spazzo und ſchlug ans Schwert, indem er
nach der Türe ſchritt. „Aus dem Bett werden wir ihn
greifen, den Bärenhäuter, und wenn er gegriffen iſt, beim
Torniſter des heiligen Gallus! wenn er .. dann...
ſag' ich Euch.
Die Rede kam nimmer zum Schluß. Die Sprache
ſtand ihm ſtill wie die Sonne in der Amorrhiter Schlacht,
da Foſua ihr gebot.
Er griff nach des Abtes Becher und trank ihn leer.
Die Sprache kam nicht wieder. Ein ſüßes Lächeln
lagerte ſich auf des Kämmerers Lippen. Er ſchritt auf
den Abt zu und umarmte ihn.
„Freund und Bruder! vielgeliebter alter Steinkrug!
wie wär's, wenn ich Euch ein Aug' ausſtäche?“ wollte er
mit kämpfender Zunge zu ihm ſagen; es gelang ihm
nimmer, verſtändlich zu ſein. Er preßte den Abt feſt und
trat ihm dabei mit dem beſpornten Stiefel auf den Fuß.
Abt Wazmann hatte bereits den Gedanken überlegt, ob
er dem Erſchöpften ein Nachtlager wolle anweiſen, die
Umarmung und der Schmerz ſeiner Zehen änderte ihm
den Sinn, er ſorgte, daß des Kämmerers Rückzug beginne.
Im Kloſterhof ward ſein Roß geſattelt. Der blöd—
ſinnige Heribald ſchlich ſich draußen herum, er hatte ein
groß Stück Zunder in der Küche geholt und gedachte das⸗
ſelbe brennend des Kämmerers Roß in die Nüſtern zu
legen, daß es ihn räche für den flachen Hieb. Fetzt kam
Herr Spazzo heraus, er hatte die Reſte ſeiner Würde zu—
ſammengerafft. Ein Diener mit einer Fackel leuchtete.
Der Abt hatte ihm an der obern Pforte Valet gewinkt.
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