Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0321
320 Ekkehard.

hinüber, drauf der Rufer ſaß?. Er zählte die Rufe,
aber der Kuckuck war heute unermüdlich. Schon hatte
Herr Spazzo zwölf gezählt, da begann ſeine Geduld auf
die Neige zu gehen.
„Schweig', ſchlechter Gauch!“ rief er.
Da tönte des Kuckucks Ruf zum dreizehnten Male.
„Der Fahre fünfundvierzig haben wir ſchon, und drei⸗
zehn macht achtundfünfzig“, ſprach Herr Spazzo zornig.
„Das gäb' ſpäten Brautſtand.“
Der Kuckuck rief zum vierzehnten. Ein anderer war
vom Rufen wach geworden und ließ itzt auch ſeine Stimme
erklingen, ein dritter ſtimmte ein, das hallte und ſchallte
neckiſch um den trunkenen Kämmerer herum und war
nicht mehr zu zählen.
Da ging ihm die Geduld gänzlich aus.
„Lügner ſeid ihr und Ehebrecher und Bäckerknechte alle
zuſammen!“ ſchalt er die Vögel, „ſchert euch zum Teufel!“
Er ſpornte ſein Roß zum Trab. Der Wald ſchloß ſich
dichter. Jetzt zogen die Wolken herauf, ſchwer und dun—
kel, ſie zogen gegen den Mond. Es ward ſtockfinſter;
geiſterhaft ragten die Tannen, alles lag ſchwarz und ſtill.
Gern hätte Herr Spazzo itzt noch den Kuckuck gehört, der
nächtliche Ruheſtörer war fortgeflogen — da ward's dem
Heimreitenden unheimlich; eine ungeſtalte Wolke kam
gegen den Mond geſchlichen und hüllte ihn ganz ein, da
fiel Herrn Spazzo ein, was ihm die Amme in erſter Zu—
gend erzählt, wie der böſe Wolf Hati und Managarm, der
Mondhund, dem leuchtenden Geſtirn nachjagen, er ſah
wieder auf, da ſah er den Wolf und den Mondhund deut-
lich am Himmel; itzt hielten ſie den armen Tröſter der
Nacht im Rachen.. . Herr Spazzo ſchauderte. Er zog
ſein Schwert. „Vince luna! Siege, o Mond!“ ſchrie er
mit heller Stimme und raſſelte mit Schwert und Bein-
ſchienen, „vince luna, vince luna?23!“
Sein Geſchrei war laut und ſein ehern Geraſſel ſcharf,
aber die Wolkenungetüme ließen den Mond nicht, nur
des Kämmerers Roß ward ſcheu und ſprengte ſauſend
mit ihm durch die Waldesnacht.

10

15⁵

20⁰

25

30

35⁵


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0321