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19. Burkard, der Kloſterſchüler. 327

Ekkehard begann ein langes Fragen nach ſeinen dor-
tigen Brüdern. Aber Praxedis fiel ihm in die Rede.
„Laſſet doch den frommen jungen Mann ausruhen.
Trockene Zunge erzählt nicht gern. Komm mit mir, Männ⸗—
lein, du ſollſt uns ein lieberer Beſuch ſein als der boſe
Rudimann von der Reichenau.“
„Vater Rudimann?“ ſprach der Knabe, „den tenne
ich auch.“
„Woher?“ fragte Ekkehard.
„Er iſt vor wenig Tagen bei uns geweſen und hat dem
Abt ein großes Schreiben überbracht und eine Schrift;
es ſoll vieles über Euch drin ſtehen, liebwerter Ohm, und
nicht lauter Schönes.“
„Hört!“ ſprach Praxedis. G
„. . und wie er Abſchied genommen, iſt er nur bis
zur Kirche gegangen; dort hat er gebetet, bis daß es dunkel
war. Er muß aber alle Gänge und Schliche im Kloſter
kennen, wie die Glocke die Schlafſtunde angeläutet, iſt er
heimlich und auf den Zehen ins große Dormitorium ge⸗
ſchlichen, um zu lauſchen, was die Brüder vor Einſchlafen
über Euch und über das, was in ſeiner Schrift ſtand, zu—
ſammen ſprechen würden. Die Nachtkerze hat trüb ge—
flackert, daß er im Verborgenen niederſitzen konnte. Aber
um Mitternacht iſt der Vater Notker Pfefferkorn ge—
kommen, der hat die Runde gemacht, nachzuſchauen, ob
jeder ſeinen Gürtel feſt ums Gewand geſchlungen, und
ob kein Meſſer oder ſchädlich Gewaffen im Schlafgemach
ſei. Der hat den Fremden hervorgezogen aus ſeinem
Verſteck, und die Brüder ſind aufgewacht, und die große
Abtslaterne iſt angezündet worden, mit Stecken und
Stangen und der ſiebenfältigen Geißel aus der Geißel⸗—
kammer ſind ſie herbeigeſprungen und war ein großer
Lärm und Geſchrei, trotzdem daß der Dekan und die Alten
abwinkten. Notker Pfefferkorn ſelber war hoch ergrimmt:
Der Teufel geht lauernd umher und ſucht, wen er ver—
ſchlinge, rief er, wir haben den Teufel, züchtiget ihn!““
„Vater Rudimann aber iſt noch recht höhniſch ge—
weſen: ‚Ich geſtehe, treffliche Fünglinge', hat er geſagt,


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