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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0329
328 Ekkeharbd.

wenn ich wüßte, wo der Zimmermann einen Weg offen
gelaſſen, ſo würde ich auf Händen und Füßen von dannen
gehen; nun aber, da ich gern oder ungern euch in die
Hände fiel, ſo gedenket, daß ihr eurem Gaſtfreund keine
Schande antuet?s.“ Da wurden ſie alle wild und ſchlepp—
ten ihn in die Geißelkammer; nur auf den Knien konnt'
er ſich losbitten, und als endlich der Abt ſprach: ‚Wir
wollen das Füchslein heimſpringen laſſen in ſeinen Bau',
hat er ſich höflich bedankt.
„Ich bin geſtern einem Fuhrwerk mit zwei großen
Weinfäſſern vorbeigekommen: der Kellermeiſter der Rei—
chenau ſchicke das dem heiligen Gallus für freundſchaft-
liche Aufnahme, hat der Fuhrmann zu mir geſagt...“
„Davon hat Herr Rudimann nichts gemunkelt, wie er
geſtern bei uns war“, ſprach Praxedis. „Für die Geſchichte
verdienſt du ein Stück Kuchen, Goldſohn, du erzählſt ja
wie ein Fubelgreis.“
„O“, ſprach der Kloſterſchüler halb beleidigt, „es heißt
nichts. Aber ich werde ein Gedicht darüber machen: Des
Wolfs Einbruch im Schafſtall und Strafe“, — ich hab's
ſchon halb im Kopf, das muß ſchön werden.“ G

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„Du moͤchſt auch Gedichte, junger Neffe?“ ſprach Ekke-

hard heiter. .
„Das wär' kein guter Kloſterſchüler“, gab der Junge
zur Antwort, „der vierzehn Jahre alt würde und keine
Gedichte machen könnte. Meinen Lobgeſang auf den Erz⸗
engel Michael in doppelt gereimten Hexametern hab' ich
dem Abte vorleſen dürfen; er hat meine Verſe eine glän⸗
zende Perlenſchnur geheißen. Und meine ſapphiſche Ode
zu Ehren der frommen Wiborad iſt auch recht ſchön, ſoll
ich ſie vortragen?“
„Um Gottes willen!“ ſprach Praxedis, „glaubſt du,
man fäaͤllt bei uns nur zum Burgtor herein und trägt gleich
Oden vor? Wart' erſt dein Stück Kuchen ab.“
Sie ſprang zur Küche und ließ den gelehrten Neffen
Ekkehards im Geſpräch mit ſeinem Oheim unter der Linde
zurück. Der plauderte denn ein Namhaftes von Trivium
und Quadruvium; weil gerade der Fels von Hohentwiel

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