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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0331
330 Ektehard.

Euch zu beweiſen, daß trotz der Schriften gewiſſer Herren
das Vertrauen auf Euere Wiſſenſchaft nicht geſchwunden.“
Es war ſo. Ekkehard aber erſchrak. Wieder in der
alten Weiſe mit den zwei Frauen zuſammen ſein: ſchon
der Gedanke tat ihm weh. Er konnte noch immer nicht 5
vergeſſen, daß einſt ein Karfreitagmorgen geweſen.
Da ſchlug er ſeinen Neffen auf die Schulter, daß der
zuſammenfuhr. „Du kommſt hier nicht in die Ferien zum
Fiſchfangen und Vogelſtellen, Burkard!“ ſprach er, „heute
nachmittag leſen wir Virgil mit der gnädigen Herzogin, 10
du wirſt dabei ſein.“
Er gedachte den Knaben als ſchirmende Abwehr zwi⸗
ſchen die Herzogin und ſeine Gedanken zu ſtellen.
„Wohl!“ ſprach Burkard mit kirſchrotblauen Lippen,
„Virgilius iſt mir lieber als Jagen und Reiten, und ich i15
werd' die Frau Herzogin bitten, mir von ihrem Griechi—
ſchen etwas zu lehren. Nach jenem Beſuch, wo ſie Euch
mit fortgenommen, haben die Kloſterſchüler oftmals ge—
ſagt, ſie wiſſe mehr Griechiſch als alle ehrwürdigen Bäter
des Kloſters zuſammen, ſie habe es durch Zauberei er- 20
lernt. Und wenn ich auch im Griechiſchen der erſte
bin...“ L L
„Dann kann dir's nicht fehlen, daß du in fünf Fahren
Abt und in zwanzig Fahren heiliger Vater zu Rom wirſt“,
ſprach Praxedis ſpottend. „Einſtweilen fließt dort der 25
Burgbrunnen, das Blau deiner Lippen zu tilgen ..“
Um die vierte Abendſtunde harrte Ekkehard im ſäulen⸗
getragenen Gemach ſeiner Gebieterin, die Leſung der
Aneĩde wieder aufzunehmen. UÜber ein halb Jahr war
abgelaufen, daß Virgilius Ruhe gehabt. Ekkehard war 30
beklommen, er hatte die Fenſter weit aufgetan. Wohl⸗—
tuende Kühle des Abends ſtrömte herein.
Der Kloſterſchüler blätterte in der lateiniſchen Hand—
ſchrift.
„Wenn die Herzogin mit dir ſpricht, ſei fein artig“, z5
ſprach Ekkehard.
Er aber antwortete mit Selbſtgefühl: „Mit einer ſo
vornehmen Frau red' ich nur in Verſen. Sie ſoll ſich


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