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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0341
340 Ekkehard.

Gibt's keine fahrenden Sänger und Saitenſpieler mehr,
die um einen Helm voll Weines und eine Hirſchkeule die
Kehle heiſer ſingen von derlei Mären? Da ſteigen wir
hoch im Wert! Landflüchtige Poſſenreißer, Barden und
derlei müßige Geſellſchaft ſoll man mit Ruten aushauen,
und wenn ſie drum klagen, ſei ihnen der Schatten eines

Mannes an der Wand?ss verabreicht als Entgelt. Ich

dank' für die Ehre.“
„Ihr werdet tun, was befohlen wird, als getreuer
Dienſtmann, der noch Rechenſchaft ſchuldig iſt über ge—
wiſſe Geſchäftsführungen beim klöſterlichen Weinkrug“,
ſprach Praxedis. „Es iſt doch luſtiger, als Latein buch—
ſtabieren. Habt Ihr keine Luſt, den gelehrten Herrn Ekke⸗
hard auszuſtechen?“
Der Wink leuchtete dem Kämmerer ziemlich ein.
„Gebt mir den Tuchzipfel“, ſprach er, „daß wir das Zelt-
dach ſpannen.“ Er ſtieg zum Ahorn auf und feſtigte die
Enden im Geäſt. Gegenüber waren hohe Stangen ein—
geſchlagen, von blauer Bohnenblüte umrankt, dahin trug
Praxedis das Getüch an ſeinen andern Enden; in kurzem
hing die ſchattige Decke über den luftigen Raum, die grau⸗
weiße Leinwand ſchimmerte anmutig zum Gelbgrün der
Blätter und Ranken, es war eine luſtige Gartenfriſche.
„Der Veſperwein möchte ſich anmutig hier trinken
laſſen“, ſagte Herr Spazzo halb betrübt über das, was
bevorſtand. Praxedis aber ordnete Tiſch und Sitze; der
Herzogin Polſterſtuhl mit dem durchbrochenen Schnitz—
werk lehnte ſie an den Stamm des Ahorns, niedrige
Schemel für die andern, ihre Laute holte ſie herunter und
legte ſie auf den Tiſch, Burkard aber mußte einen großen
Blumenſtrauß binden, der ward vor den Herzogsſitz ge—
ſtellt. Dann band die Griechin einen roten Seidenfaden
um den Baumſtamm, zog ihn bis zur Bohnenhecke hin—
über und von dort zur Mauer, ſo daß nur ein ſchmaler
Durchgang frei blieb. „So!“ ſprach ſie vergnügt, „jetzt
iſt unſer Plauderſaal umgrenzt und umfriedet, wie König
Laurins Roſengartensss, die Mauern ſind wohlfeil her—
zuſtellen.“

30⁰

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