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20. Von deutſcher Heldenſage. 341

Die Herzogin freute ſich ihres Einfalls und ſchmückte
ſich mit einer gewiſſen Abſicht. Es war noch früh am
Abend, da ſtieg ſie zur Laube hinab. Blendend rauſchte
die ſtolze Erſcheinung einher, ſie hatte ein weites Ge—
wand umgetan, Saum und Ärmel mit ſchimmerndem
Gold durchſtickt, ein ſtahlgrauer mantelartiger Überwurf

wallte bis zum Boden herab, von edelſteinbeſetzten Agraf⸗

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fen gehalten; übers Haupt trug ſie ein ſchleierartig Ge—
webe, licht und durchſichtig, von güldenem Stirnband
anſchmiegend zuſammengefaltet. Sie griff eine Roſe
aus Burkards Strauß und heftete ſie zwiſchen Band und
Schleier.
Der Kloſterſchüler, der ſchon nahe daran war, Klaſſi⸗
ker und freie Künſte zu vergeſſen, hatte ſich die Gnade
erbeten, der Herzogin Schleppe zu tragen, und ihr zu
Ehren ein Paar abenteuerliche Schnabelſchuhe, an beiden
Seiten mit Ohren verſehen, angelegt ss und machte ſich
verſchiedene Gedanken über das Glück, einer ſolchen Ge—
bieterin als frommer Edelknabe zu dienen.
Praxedis und Herr Spazzo traten mit ein. Die Her⸗
zogin ſchaute ſich flüchtig um: „Iſt Meiſter Ekkehard, zu
deſſen Belehrung wir den Abend geordnet, unſichtbar?“
Er war nicht erſchienen.
„Mein Oheim muß krank ſein“, ſprach Burkard. „Er
iſt geſtern abend mit großen Schritten in ſeiner Turm—
ſtube auf und nieder gegangen, und wie ich ihm die Stern—
bilder vor dem Fenſter erklären wollt', den Bär und Orion
und den mattſchimmernden Fleck der Plejaden, hat er
mir keine Antwort gegeben. Dann hat er ſich angekleidet
aufs Lager geworfen und im Schlaf geſprochen.“
„Was hat er geſprochen?“ fragte die Herzogin.
„Meine Taube“', hat er geſagt, ‚die du in den Spalten
der Felſen dich verbirgſt und den Ritzen des Geſteines,
zeig' mir dein Angeſicht, laß deine Stimme klingen in
meine Ohren, denn die Stimme iſt ſüß und dein Angeſicht
ſchön', und ein andermal hat er geſagt: ‚Warum küſſeſt du
den Knaben vor meinen Augen? was hoff' ich und ſäum
ich noch in libyſchen Landen?““


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