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342 Ettehard.
„Da ſchaut's gut aus“, flüſterte Herr Spazzo der Grie⸗
chin zu, „habt Ihr das auf dem Gewiſſen?“
Die Herzogin aber ſprach zu Burkard: „Du wirſt ſelber
geträumt haben. Spring' hinauf und ſuch' deinen Ohm,
daß er herunterſteige, wo wir ſeiner warten.“
Sie ließ ſich anmutig auf dem thronartigen Sitz nieder.
Da kam Ekkehard mit dem Kloſterſchüler in den Garten.
Er ſah blaß aus; ſein Blick war unſtet und trüb. Er neigte
ſich ſtumm und ſetzte ſich an des Tiſches entgegengeſetzt
Ende. Burkard wollte ſeinen Schemel zu Füßen der Her—
zogin rücken wie geſtern, da ſie Virgil laſen, aber Ekkehard
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ſtund auf und zog ihn an der Hand zu ſich herüber. „Hier-
her!“ ſprach er. Die Herzogin ließ ihn gewähren.
Sie ſchaute in die Runde. „Wir haben geſtern be—
hauptet“, ſprach ſie, „daß wir in unſern deutſchen Sagen
und Geſchichten ſo viel ſchöne Gelegenheit zu Kurzweil
beſitzen, als weiland die Römer in ihrem Heldenlied vom
Aneas. Und ſicher weiß ein jedes von uns etwas von
ſchneller Helden Fechten und feſter Burgen Brechen, von
treuer Liebſten Scheidung und reicher Könige Zergäng—
nis; des Menſchen Herz iſt mannigfach geartet, was der
eine ſeitab liegen läßt, mutet den andern an. Darum
haben wir die heutige Tagfahrt geordnet, daß von jedem
unſerer Getreuen, wie das Los entſcheidet, ein anmutig
Stück erzählt werde, und behalten uns vor, dem lieb—
reizendſten einen Preis auszuſetzen. Siegt einer von euch
Männern, ſo mög er das uralte Trinkhorn gewinnen, das
aus König Dagoberts Zeiten her droben im großen Saal
hängt; ſiegt meine treue Praxedis, ſo wird ein Schmuck⸗
ſtück ihrer harren. Halmzug beſtimme den Anfang!“
Praxedis hatte vier Grashalme von verſchiedener
Länge geordnet und reichte ſie der Herzogin.
„Soll ich für den jungen Verskünſtler auch ein Hälm—
lein beifügen?“ fragte ſie.
Aber Burkard ſprach mit weinerlicher Stimme:
„Ich bitt' Euch, verſchonet mich. Denn wenn meine
Lehrer in Sankt Gallen erfahren möchten, daß ich mich
wiederum an unnützen Mären ergötzt, ſo würd' ich ge—
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