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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0344
20. Von deutſcher Heldenſage. 343

ſtraft wie damals, als wir auf Romeias' Wächterſtube die
Geſchichte vom alten Hildebrand und ſeinem Sohn Hadu⸗-
brand aufführten. Der Wächter hat immer ſeine Freude
dran gehabt und hat uns ſelber die hölzernen Roſſe ge—
s ſchnitzt und die langen dreieckigen Schilde; ich bin der
Sohn Hadubrand geweſen und mein Mitſchüler Notker
machte den alten Hildebrand, weil er eine ſo große Unter⸗
lippe hat wie ein alter Mann. Und wir ſind aufeinand
eingeritten, daß eine Staubwolke zu des Romeias Fenſter
1o hinauswirbelte; juſt hatte Notker den Armring losgelöſt
und mir als Gabe gereicht, wie das Lied es vorſchreibt?s?,
und ich ſprach zu ihm:
„Du ſcheinſt mir, alter Heune, doch allzu ſchlau; lockeſt
mich mit deinen Worten, willſt mich mit deinem Speere
1s werfen; biſt du ſo zum Alter gekommen, daß du immer
trogeſt? mir kündeten Seefahrende weſtlich über den Wen⸗
delſee: hinweg nahm ihn der Krieg, tot iſt Hildebrand,
Heribrands Erzeugter!“ — .
„Da kam Herr Ratolt, unſer Lehrer der Rhetorika,
20 heraufgeſchlichen und fuhr mit ſeiner großen Rute ſo
grimmig zwiſchen uns, daß Roß und Schild und Schwert
den Händen entfielen: den Romeias ſchalt er einen alt-
väteriſchen Bärenhäuter, der uns von nützlichem Studium
ablenke, und mein Kamerad Notker und ich ſind drei Tage
25 bei Waſſer und Brot eingeſperrt geſeſſen und haben zur
Strafe fürs Hildebrandſpiel jeder hundertundfünfzig la—
teiniſche Hexemeter zu Ehren des heiligen Othmar an—
fertigen müſſen ..“
Die Herzogin lächelte. „Da ſei Gott für, daß wir dich
z0 wiederum zu ſolcher Sünde verleiten“, ſprach ſie.
Sie faßte die Halme in der Rechten zuſammen und
reichte ſie anmutig den andern zum Ziehen. Ekkehards
Augen hafteten unverrückt auf der Roſe am Stirnband,
wie er vor ſie trat. Sie mußte ihn zweimal auffordern,
35 bis er zog.
„Mord und Brand und Weltende!“ wollte Herr
Spazzo herausfahren; er hatte den kürzeſten Halm ge—
griffen. Aber er wußte, daß keine Ausrede ihn loswinden


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