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346 Ettehard.
Schwert Mimung, das ſchnallte er über den Rücken und
kam ins Land Tirol. Zwiſchen Eiſack, Etſch und Inn aber
ſaß dazumal der König Elberich, der nahm den Weland
freundlich auf und wies ihm die Waldſchmiede zu am
Brenner, und Eiſen und Erz und was ſonſt in des Ge—
birges Adern verborgen ruht, ſollte all des Weland ſein.
„Und dem Weland ward's wohl und fröhlich ums Herz
in den Tiroler Bergen; die Wildwaſſer rauſchten zu ihm
heran und trieben das Radwerk, der Sturm blies ihm
das Herdfeuer an und die Sterne ſprachen: wir müſſen
uns anſtrengen, ſonſt glänzen die Funken, die Weland
ſchlägt, heller denn wir.
„So gedieh Welands Arbeit wohl. Schildesrand und
Schwert, Meſſer und Pokal und was an Kleinod eines
Königs Hofburg ziert, wirkte der Sinnige, und war kein
Schmied, ſo weit die Sonne auf Alpenſchnee glänzt, ſich
mit Weland zu meſſen. Elberich aber hatte viel böſe
Feinde, die einten ſich und ſetzten den einäugigen Ami—
lias zu ihrem Führer und brachen ins Land ein. Und
Elberich trug großes Herzeleid und ſprach: „Wer mir des
Amilias Haupt brächte, mein einzig Töchterlein ſollt' ihn
dafür küſſen als Ehgemahl!“ Da löſchte Weland ſein
Schmiedfeuer, ſchnallte ſein breites Schwert Mimung um
und zog aus gegen Elberichs Widerſacher. Und das
Schwert war brav und ſchlug dem Amilias das Haupt ab,
daß aller Feind über Joch und Klauſen heimlief. Weland
aber brachte ſeinem König das Haupt. Da ſprach der
zürnend: „Was ich von meiner Tochter angelobet, das hat
der Wind verweht; ein Schmied kann nicht mein Sohn
ſein, des würden meine Hände rußig, wenn er den Gruß
mir bieten wollt'. Aber als Lohn ſollſt du drei Gold—
pfennige haben, dafür kann ein Mann turnieren und
ſtechen, reigen und tanzen, zieren und pflanzen und eine
Dirne ſich kaufen am Markt.“ Weland warf ihm die drei
Goldpfennige vor die Füße, daß ſie unter den Thron roll⸗—
ten, und ſprach: „Behüt' Euch Gott, auf Nimmerwieder-
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ſehen!“ und wandte ſich, aus dem Lande zu gehen. Der
König aber wollte den Schmied nicht miſſen, darum ließ
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