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20. Von deutſcher Heldenſage. 347

er ihn niederwerfen und die Sehnen am Fuß durch—
ſchneiden, daß er hinkend ward und ungemut und des
Fliehens vergeſſen mußt'.
„‚Und Weland ſchleppte ſich traurig in die Waldſchmiede
5 heim und zündete ſein Feuer wieder an, aber er pfiff und
ſang nimmer, wenn er mit ſchwerem Hammer das Eiſen
ſchlug, und ſein Gemüt ward ingrimmig. Da kam eins⸗—
mals des Königs Sohn, der war ein rotwangiger Knab'
und war allein in den Wald gezogen und ſprach: „Weland,
10 ich will dir zuſchauen.“ Da ſprach der Schmied tückiſch:
„Stell' dich an Amboß, ſo ſchauſt du alles am beſten“, —
und zog die glühende Eiſenſtange aus den Flammen und
ſtieß ſie dem Königsknaben durchs Herz. Sein Gebein
bleichte er und goß um die Knochen viel Erz und Sil—
15s ber, daß ſie zu Säulen der Leuchter wurden, um den
Schädel aber fügte er einen Goldrand, da ward der Schä—
del zum Becher. All dies aber ſandte Weland dem El—
berich, und wie die Boten geritten kamen und nach dem
Knaben fragten, ſprach er: „Ich ſah ihn nimmer, er iſt zu
20 Wald gerannt.“
„Zu ſelber Zeit erging ſich des Königs Tochter in
ihrem Garten, die war ſo ſchön, daß ſich die Lilien vor
ihr neigten. Am Zeigefinger trug ſie einen Ring von Gold,
geſtaltet wie eine Schlange, und ein Karfunkel blitzte im
25 Schlangenhaupt, den hatte Elberich ſelbſt eingefügt und
hielt den Ring teurer als ein Königreich und ſchenkte ihn
ſeiner Tochter nur, weil ſie in ihrer Schöne ihm über alles
lieb war. Dieweil ſie aber eine Roſe pflückte, ſprang der
Ring von der Jungfrau Finger und hüpfte mit hellem
30 Schein über das Geſtein und zerbrach; und der Karfun—
kel fiel aus der güldenen Faſſung, daß die Maid die Hände
rang und bitterlich wehklagte und ſich nicht traute heim-⸗
zugehen, denn ſie fürchtete ihres Vaters Zorn.
„Da ſprachen die dienenden Frauen: „Geh' heimlich
35 zum Schmied Weland, der weiß Rat dafür.“ So trat die
Königstochter in Welands Schmiede und klagte ihre Not.
Der nahm den Ring und fügte ihn zuſammen und ſchmolz
Gold und Erz und der Karfunkel blitzte wieder im Schlan—


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