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20. Von deutſcher Heldenſage. 351

man dort die Wahrheit übergülden müſſe, ſo man etwas
beſchaffen wolle, darum hieß er ſeine Recken eidlich an—
geloben, daß ſie alle vorgäben, er heiße nicht Rother,
ſondern Dietrich, und ſei landflüchtig vor dem König
Rother und gehre Hilfe bei dem Griechenkaiſer. Alſo
fuhren ſie über Meer.
„Und Rother nahm ſeine Harfe an Schiffes Bord,
denn bevor ſeine zwölf Geſandten die Anker gelichtet, war
er mit der Harfe an den Strand gekommen und hatte drei
Singweiſen gegriffen, das ſollte ihnen ein Angedenken ſein:
und kommet ihr je in Not und höret die Weiſen erklingen,
ſo iſt Rother helfend euch nah!
„Es war ein Oſtertag und der Kaiſer Konſtantin war
nach dem Hippodrom ausgeritten, da hielt Rother ſeinen
Einzug. Und alle Bürgersleute von Konſtantinopel liefen
zuſammen; das war noch nie erſchaut, denn Rother brachte
auch ſeine Rieſen mit ſich: der erſte hieß Asprian und trug
eine Stahlſtange, die war vierundzwanzig Ellen lang, der
zweite hieß Widolt und war ſo wildwütig, daß ſie ihn in
Ketten mitführen mußten, der dritte hieß Abendrot.
„Und viel tapfere Degen kamen mit Rother geritten,
und zwölf Wagen mit Schätzen fuhren an, und war ſolche
Pracht, daß die Kaiſerin ſprach: „O weh, wie dumm ſind
wir geweſen, daß wir unſere Tochter dem König Rother
verſagten; was muß der für ein Mann ſein, der ſolche
Helden vertreibt über die Meere!“
„König Rother trug einen güldenen Harniſ ch und einen
purpurnen Waffenrock und zwei Reihen ſchöner Ringe
am Arm und beugte ſein Knie vor dem Griechenkaiſer
und ſprach: „Mich Fürſten Dietrich hat ein König in Acht
getan, der heißt Rother, nun iſt alles, was ich gearbeitet,
zu meinem Schaden. Ich biet' Euch meine Dienſte an“.
„Da lud Konſtantinus die Helden alle zum Hippo—
dromushof und hielt ſie in hohen Ehren und hieß ſie zu
Tiſch ſitzen. Es lief aber da ein zahmer Löwe herum, der
gewohnt war, den Knechten das Brot wegzufreſſen. Der
kam auch an Asprians Teller, ihn aufzulecken. Da griff
Asprian den Löwen an der Mähne und warf ihn an des


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