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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke3/0365
364 Ekkehard.

Frau Hadwig neigte ſich zum Sarkophag. Sie hätte
gern einen zweiten drauf getürmt, daß er ſie verberge vor
Ekkehards Blick. Sie wünſchte kein 1Alleinſein mehr. Ihr
Herz ſchlug ruhig.
Er ging zur Pforte.
Da plötzlich wandte er ſich; die ewige Lampe ſchwebte
leiſe über Frau Hadwigs Haupt hin und her, das ſchwe—
bende Dämmerlicht hatte ſein Aug' getroffen .. mit
einem Sprung, mächtiger als der, den der heilige Bern—
hard in ſpäteren Tagen durch den Dom zu Speier tat,
da ihm das Marienbild gewinkt, ſtand er vor der Herzogin.
Er ſchaute ſie lang' und durchbohrend an. Sie erhob ſich
vom Boden, mit der Rechten den Rand des Steinſarges
faſſend, ſtand ſie ihm gegenüber, an ſeidener Schnur wiegte
ſich die ewige Lampe über ihrem Haupt.
„Glückſelig ſind die Toten, man betet für ſie!“ brach
Ekkehard das Schweigen.
Frau Hadwig erwiderte nichts““s.
„Betet Ihr auch für mich, wenn ich tot bin?“ fuhr er
fort. „O, Ihr ſollt nicht für mich beten!...einen Pokal
laßt Euch aus meinem Schädel machen, und wenn Ihr
wieder einen Pörtner holt aus dem Kloſter des heiligen
Gallus, ſo müßt Ihr ihm den Willkommtrunk draus
reichen — ich laſſ ihn grüßen! Dürft auch ſelber Eure
Lippen dran ſetzen, er ſpringt nicht. Aber das Stirnband
müßt Ihr dabei ums Haupt tragen und die Roſe drin...“
„Ekkehard!“ ſprach die Herzogin, — „Ihr frevelt!“
Er fuhr mit der Rechten an die Stirn: „O!“ ſprach er
wehmütig — „o ja!... der Rhein frevelt auch: ſie haben
ihm mit rieſigen Felſen den Lauf verbaut, aber er hat ſie
durchnagt und brauſt drüber weg in Schaum und Sturz
und Vernichtung, Glück auf, du freier Jugendmut!...
Und Gott frevelt auch, denn er hat den Rhein werden
laſſen und den hohen Twiel und die Herzogin von Schwa⸗
ben und die Tonſur auf meinem Haupt.“
Der Herzogin begann es zu grauſen. Solchen Aus-
bruch zurückgepreßten Gefühles hatte ſie nicht erwartet.
Aber es war zu ſpät. Sie blieb gleichgültig.

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