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21. Verſtoßung und Flucht. 365

„Ihr ſeid krank!“ ſprach ſie.
„Krank?“ ſprach er — „es iſt nur eine Vergeltung.
Vor Jahr und Tag am Pfingſtfeſt, da es noch keinen hohen
Twiel für mich gab, hab' ich beim feſtlichen Umgang aus
unſerer Kloſterkirche den Sarg des heiligen Gallus getra-
gen, da hat ſich ein Weib vor mir niedergeworfen: Steh
auf! hab' ich ihr zugerufen, aber ſie blieb liegen im
Staub;; ,ſchreit' über mich, Prieſter, mit deinem Heiltum,
daß ich geſunde! ſprach ſie, und mein Fuß ging über ſie
hinweg?“. Sie hat am Herzweh gelitten, die Frau. Jetzt
iſt's ungekehrt..“
Kränen unterbrachen ſeine Stimme. Er konnte nicht
weiter ſprechen. Er warf ſich zu Frau Hadwigs Füßen
und umſchlang den Saum ihres Gewandes. Der ganze
Menſch zitterte.
Frau Hadwig wurde mild, mild gegen ihren Willen,
als zucke es vom Saum des Gewandes zu ihr herauf von
unſäglichem Herzeleid.
„Steht auf“, ſprach ſie, „und denkt an anderes. Ihr
ſeid uns noch eine Geſchichte ſchuldig. Verwindet's!“
Da lachte Ekkehard in ſeinen Tränen.
„Eine Geſchichte“, rief er — „o, eine Geſchichte! Aber
nicht erzählen... kommt, laßt ſie uns tun, die Geſchichte!
Droben von des Turmes Zinnen ſchaut ſich's ſo weit in
die Lande und ſo tief hinunter, ſo ſüß und tief und lockend,
was hat die Herzogsburg uns zu halten? Keiner braucht
mehr zu zählen als drei, der hinunter will... und wir
ſchweben und gleiten in den Tod, dann bin ich kein Mönch
mehr und darf den Arm ſchlingen um Euch —“
Er ſchlug mit der Fauſt auf Herrn Burkhards Grab: —
„Und der da unten ſchläft, ſoll mir's nicht wehren! Wenn
er kommt, der Alte: ich laſſ' Euch nicht, und wir ſchweben
wieder zum Turm empor und ſitzen, wo wir ſaßen, und
leſen den Virgil zu Ende, und Ihr müßt die Roſe im
Stirnband tragen, als wär' nichts geſchehen.. Dem
Herzog ſchließen wir 's Tor zu und über alle böſe Zungen
lachen wir, und die Menſchen ſprechen dann, wenn ſie am
Winterofen ſitzen:Das iſt eine ſchöne Geſchichte vom treuen


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