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368 Ekkehard.
men, die Freude von Ekkehards Heimrufung zu erleben.
„Es wird ſchwer halten, daß wir ihn losbekommen“, hatte
er zum Kellermeiſter geſagt. Es ward leicht. Mönche
und Gefolgsleute traten mit ein.
„Sacrilegium!“ rief ihnen Rudimann entgegen, „er
hat vor dem Altar die buhleriſche Hand zu ſeiner Gebie—
terin erhoben!“
Da ſchäumte Ekkehard auf. Der Herzens heiligſt Ge—
heimnis von frecher Roheit entweiht, eine Perle vor die
Schweine geworfen...Her riß die ewige Lampe herunter,
wie eine Schleuder ſchwang er das eherne Gefäß; das
Licht darin erloſch — ein dumpfer Schrei hallte auf, der
Kellermeiſter lag blutigen Hauptes auf den Steinplatten,
die Lampe klirrte neben ihm.. .Ringen, Zerren, wilde
Verwirrung ...es ging mit Ekkehard zu Ende.
Sie hatten ihn überwältigt; den Gürtel der Kutte riſ⸗
ſen ſie ihm ab und banden ihn. Da ſtand er, die jugend-
ſchöne Geſtalt, jetzt ein Bild des Fammers, dem flügellah⸗
men Adler gleich. Einen matten, traurigen, fragenden
Blick ließ er zur Herzogin hinübergleiten . die wandte
ſich ab. .
„Tut, was Eures Amtes iſt!“ ſprach ſie zum Abt und
ſchritt durch die Reihen.
Eine Rauchwolke zog ihr entgegen. Lärm und Fubel
ſchallte vor dem Burgtor, ein Feuer brannte draußen, von
harzigen Tannenſcheitern geſchichtet. Das Ingeſinde der
Burg tanzte darum und warf Blumen drein, eben hatte
Audifax die Genoſſin ſeines Schickſals jubelnd in Arm ge⸗
faßt und war mit ihr durch die hochaufſchlagende Flamme
geſprungen.
„Was ſoll der Rauch?“ ſprach Frau Hadwig zur her⸗
beigeeilten Praxedis.
„Sonnenwende?“s!“ antwortete die Griechin.
Es war ein trüber, verſtimmter Abend. Die Herzogin
hatte ſich in ihr Cloſet verſchloſſen und ließ niemand
vor ſich, Ekkehard war von den Leuten des Abts in ein
Verlies geſchleppt worden, in demſelben Turm, in deſſen
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