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21. Verſtoßung und Flucht. 369

luftigem Stockwerk ſein Stübchen eingerichtet ſtund, war
ein feuchter finſterer Gewahrſam, Trümmer alter Grab—
ſteine, bei früherem Umbau der Burgkapelle dorthin ver-
bracht, lagen unheimlich umher. Man hatte ihm einen
Bund Stroh hineingeworfen. Ein Mönch ſaß vor dem
Eingang und hielt Wache.
Burkard, der Kloſterſchüler, lief auf und nieder und
rang klagend die Hände, er konnte ſeines Ohms Geſchick
nicht faſſen. Die Leute der Burg ſteckten die Köpfe zu⸗
ſammen und wiſperten und führten törichte Reden, als
ob die hundertzüngige Fama auf dem Giebel des Burg—
daches geſeſſen und ihre Lügen ausgeſtreut hätte: „Er hat
die Herrin ermorden wollen“, ſprach der eine; „er hat

des Teufels Künſte getrieben mit ſeinem großen Buch“,

ſprach ein anderer, „heut iſt Sankt Johannistag, da hat

der Teufel keine Macht und konnte ihm nicht aus der

Klemme helfen.“
Am Brunnen im Burghof ſtand Rudimann, der Keller⸗
meiſter, und ließ das klare Waſſer über ſein Haupt ſtrö⸗
men; Ekkehard hatte ihm eine ſcharfe Schramme gehauen,
zäh und unwillig rieſelte ſein Blut in den fremden Quell.
Praxedis kam herunter, blaß und trüb; ſie war die
einzige Seele, die ein aufrichtig Mitleid um den Gefange-
nen trug. Wie ſie den Kellermeiſter erſah, ging ſie in den
Garten, riß eine blaue Kornblume mit der Wurzel aus
und brachte ſie ihm: „Nehmet“, ſprach ſie, „und haltet ſie
mit der Rechten, bis ſie drin erwarmt, das ſtillet Euer
Blut. Oder ſoll ich ein Linnen zum Verband bringen?“
Er ſchüttelte das Haupt.
„Es wird von ſelber aufhören, wenn's Zeit iſt“, ſagte
er, „es iſt nicht mein erſter Aderlaß. Behaltet Eure Korn⸗
blumen für Euch!“
Aber Praxedis gedachte den Feind Ekkehards milde
zu ſtimmen. Sie holte Leinwand. Da ließ er ſich ver—
binden. Er ſprach keinen Dank.
„Laßt Ihr den Ekkehard heut nimmer frei?“ fragte ſie.
„Heut?“ ſprach Rudimann höhniſch. „Drängt es Euch,
einen Kranz zu winden für den Bannerträger des Anti⸗
Scheffel. III. 24


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