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21. Verſtoßung und Flucht. 375
Die Burg lag ſtill. Es ging auf Mitternacht. Ekke—
hard ruhte in leiſem Halbſchlummer, da ward's ihm, als
würde der Riegel ſachte zurückgeſchoben: er blieb auf
ſeinem Lager. Eine Geſtalt trat ein, eine weiche Hand
5 fuhr über des Schlummernden Stirn. Er ſprang auf.
„Still!“ flüſterte die Eingetretene. G
Wie alles zu ſchlafen ging, hatte Praxedis gewacht.
Der ſchlechte Kellermeiſter ſoll die Freude nicht haben,
unſern ſchwermütigen Lehrer zu züchtigen, das war ihr
100- Denken. Frauenliſt findet Mittel und Wege zu dem,
was ſie ausgeſonnen. Den grauen Mantel umgeſchlagen,
ſchlich ſie herunter, es brauchte keiner beſonderen Täu—
ſchungen. Der Kloſterbruder ſchlief als wie ein Gerech—
ter. Hätte er nicht geſchlafen, ſo hätte ihn die Griechin
15 durch einen Spuk ſcheu gemacht, ſo war ihr Plan.
„Ihr müßt fliehen!“ ſprach ſie zu Ekkehard. „Sie
drohen Euch das Schlimmſte.“ L
„Ich weiß es!“ ſagte der Überraſchte wehmütig.
„Auf denn!“
20 Er ſchüttelte das Haupt: „Ich will dulden“, ſprach er.
„Seid kein Narr!“ flüſterte Praxedis. „Erſt habt
Ihr Euer Haus auf den ſchimmernden Regenbogen ge—
zimmert, und nun es zuſammengefallen, wollt Ihr Euch
auch noch mißhandeln laſſen? Als wenn die ein Recht
25 hätten, Euch zu geißeln und fortzuſchleppen! und wollt
ihnen die Freude machen, Eure Erniedrigung zu ſehen..
's wär' freilich ein ſchönes Schauſpiel, man würde es
Euch gönnen! Einen braven Mann ſieht man nicht alle
Tage hinrichten, hat einmal in Konſtantinopel einer zu
30 mir geſagt, wie ich fragte, warum er ſo ſpringe.“
„Wohin ſoll ich mich wenden?“ fragte Ekkehard.
„Nach der Reichenau nicht und nach Eurem Kloſter
auch nicht“, ſagte Praxedis. „Es gibt noch manchen Un—
terſchlupf auf der Welt.“ Sie war ungeduldig worden,
35 ergriff Ekkehards Hand und zog ihn mit ſich. „Vorwärts!“
raunte ſie ihm zu. Er ließ ſich von ihr führen. Sie ſchli⸗
chen am ſchlafenden Wächter vorüber. Fetzt ſtanden ſie im
Burghof. Der Brunnen plätſcherte hell. Ekkehard beugte
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