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22. Auf dem Wildkirchlein. 379

ter den Füßen verſpürte, und machte Halt, um ſich den
grauſigen Platz zu betrachten. Es war ein ſchmaler
Felsvorſprung, über und unter ihm ſenkrechte gelbgraue
Steinwand, in der Tiefe, kaum ſichtbar, ein Silberſtreif
im Grün des Tales, der Waldbach Sitter, und ſcheu
verſteckt im Tannendunkel der meerfarbige Spiegel des
Seealpſee. Genüber gepanzert und gewappnet die Schar
der Bergesrieſen — die Feder will zu fröhlichem Sang
aufjodeln, da ſie ihre Namen ſchreiben ſoll: der lang—
geſtreckte rätſelvolle Kamor, die gewaltigen Mauern der
Boghartenfirſt und Sigels Alp und Maarwieſe, auf deren
Zinnen wie Moos auf den Dächern würziger Gras—
wuchs grünt, dann der Hüter des Seegeheimniſſes, der
„alte Mann“ mit runzelgefurchter Steinſtirn und weiß⸗
umſchneitem Haupt, des hohen Säntis Kanzler und Buſen⸗
freund, L
„Ihr Berge des Herrn, benedeiet den Herrn!“ ſprach
der Wandersmann, ergriffen von der Wucht des Ein—
drucks. Viel hundert Bergſchwalben flatterten aus den
Spalten des Geſteins. Ihr Flug ſoll gute Vorbedeu—
tung ſein.
Er tat etliche Schritte vorwärts. Da war die Fels—
wand mächtig zerklüftet, eine doppelte Höhle tat ſich
auf, aus rohem Schaft zuſammengefügt ſtand ein ſchmuck⸗
los Kreuz dabei, Tannenſtämme an der einen Höhlen-
wand zum Blockhaus geſchichtet und nach Art der damals
üblichen Kriegsgerüſte oder Belagerungstürme mit zu—
ſammengefügtem Flechtwerk überdacht, deuteten auf
menſchliches Anweſen. Kein Laut unterbrach die Stille.
Der Fremde kniete vor dem Kreuz nieder und betete
lang. .
Es war Ekkehard, — der Ort, wo er betete, das Wild-
kirchlein. L
Unverſehrt war er auf ſeinem Bergrutſch, als ihn Pra—
xedis befreit, in die Tiefe gefahren; der andere Morgen
fand ihn erſchöpft beim alten Moengal in Radolfzelle.
„Ach, daß ich in der Wüſte ein Hüttlein der Wanders—
leute haben könnte, ſo wollte ich mein Volk verlaſſen


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